„Die Welt ist nicht genug“, so lautet der Titel des 19. James Bond-Streifens. „Die Werbung ist nicht genug“, so der Titel des Klageliedes der Salzburger Hotelbetreiber. Schließlich bildet die EM-Host-City Salzburg das Schlusslicht aller EM-Städte hinsichtlich ihrer Ausgaben für Werbung. Dürftige Euro 200.000,– drückt die Stadt im Gesamten für das EM-Budget ab. Vor allem dem Gastgewerbe ist dies nicht genug. Schon gar nicht, wenn etwa Bürgermeister Schaden im Interview mit dem Wirtschaftsblatt vermeldet: „Unsere Stadt und die Europameisterschaft sind Selbstläufer, da braucht’s ka Geld!“

Die erbärmlich gescheiterte Olympia-Bewerbung im Hintergedanken könnte man fast erzürnt über solche Worte sein. „Typischer Provinzialismus“, könnte das vorschnelle Urteil lauten. Vorschnell? Ja, denn zumindest bei diesem Thema kann man Heinz Schaden beistimmen. Denn die EM an sich ist natürlich Publikumsmagnet. Während der EM werden wohl kaum Zimmer in den Hotels von Stadt und Umland frei sein. Hotels, welche übrigens während dieser Zeit die Preise ordentlich nach oben „korrigieren“ werden. Kann es wirklich Aufgabe der Stadt sein, all die Gäste auch in Zukunft bei der Stange zu halten? Sind nicht vielmehr die Betreiber von Hotels und Gaststätten selbst gefordert? Es kann nicht sein, dass die öffentliche Hand sich in Unkosten stürzt, während sich direkte Profiteure ins gemütliche Lehnsesserl kuscheln, ihre Gewinne einstreichen und darauf warten, dass auch das zukünftige Geschäft angekurbelt wird. Ganz ohne ihr Engagement.

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Die Zauberformel ist ein Mix aus Vor- und Nachbetreuung. Ein Betrieb, der seine Kunden während der EM ernst nimmt statt sie bloß zu schröpfen, ein Betrieb, der auch in der Gästenachbetreuung kreativ ist, wird unweigerlich auch in Zukunft von den positiven Effekten der EM profitieren. Auch die Mundpropaganda der heimkehrenden Fußballfans darf hier unter keinen Umständen unterschätzt werden. Mit Aktivität statt Reaktivität, mit Kreativität und Konzeption statt planloser Werbung … ja, damit lässt sich etwas erreichen. Kundenbindung muss nicht immer teuer, bunt und quietschend sein. Weniger, dafür aber effizienter, ist der Schlüssel zum Erfolg. Davon sieht man aber zurzeit nicht viel. Deshalb: Selbst schuld, liebe Hoteliers!

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