Nach „Fußball und Politik“ beschäftigte sich das zweite Panel intensiver mit dem eigentlichen Konferenzthema der Geschlechterkonstruktionen im Fußball. Marianne Meier von der Swiss Academy of Development, welche sich forschungsmäßig mit der Schnittmenge von Gender, Sport und Entwicklung in einem soziokulturellen Kontext beschäftigt, erklärte als erste Rednerin welche Barrieren dem Frauenfußball insbesondere in Entwicklungsländern wie Sambia gegenüberstehen. Dies seien im Wesentlichen sozio-ökonomische Hindernisse, Sicherheitsbedenken, Material-/Infrastrukturmangel, das Fehlen weiblicher Vorbilder sowie sozio-kulturelle Barrieren als größte Herausforderung. Von moralischen und ethischen Argumenten über formelle Einschränkungen sowie vermeintlicher wissenschaftlicher Evidenz bis hin zu irrationalen (homophoben, sexistischen, etc.) Behauptungen entwickle sich die Argumentationskette für diese Hindernisse, welche ein didaktisch bedachtes, kontinuierliches, holistisches Vorgehen notwendig machen.

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Ulf Heidel referierte zu den männerbündischen Strukturen im Profifußball, womit eine institutionalisierte Form männlicher Gemeinschaft mit eigenen Regeln, insbesondere der Regel des Ausschlusses von Frauen, gemeint ist. Fußball als Grenzbereich der homo-hetero Dichtonomie, welcher Umarmungen oder Küsse beim Torjubel erlaubt während anderorts rigide normative Grenzen gezogen werden, die homophoben Grundfesten des Männerbunds sowie die präsente Homophobie in den Stadien und die Reproduktion bestehender Ordnung durch die Fußballberichterstattung wurden dabei erläutert. Zwar gäbe es positive Entwicklungen, ein Coming-out von einem oder im Idealfall gleich mehreren homosexuellen Fußballern scheint trotz der damit verbundenen emanzipatorischen Bedeutung und großen Reichweite jedoch unwahrscheinlich.

Michael Meuser von der TU Dortmund gab abschließend Einblicke in die Grundmuster männlicher Vergemeinschaftung im Fußball. Fußball sei eine kompetitive, homo-soziale Praxis in welcher Frauen a priori im Namen des stillschweigenden Prinzips der Ehre ausgeschlossen werden und wo neben der externen Distinktion gegenüber den Ausgeschlossenen auch eine interne Hierarchie von Männlichkeiten, bei welcher das implizierte Einverständnis des Untergeordneten die Gestaltungskraft des Übergeordneten erlaubt, besteht. Diese Aus- und Abgrenzung ist im Jugendalter besonders präsent wenn Burschen (oft weitaus drastischer als in späteren Lebensphasen) trotz der partizipatorischen Bemühungen der Mädchen den Fußball bewusst zur Abgrenzung (Borderwork) benützen. Die Abwertung der Weiblichkeit sowie die Bedeutung von Wettbewerb und Solidarität dienen hierbei als Grundmotive hegemonialer Männlichkeit, insbesondere der Wettbewerb manifestiert sich als Kernelement des männlichen Habitus. Ebenso wie die Weiblichkeit wird auch die schwule Männlichkeit von diesem Wettbewerb ausgeschlossen. Darüber hinaus manifestiert sich dieser Wettbewerb im Profifußball auch im Wettbewerb der Fanblöcke, welcher als ritualisierter Wettbewerb des Beleidigens ebenfalls auf die Marginalisierung des Gegners und die Aberkennung seines Männlichkeitsstatuses abzielt und nicht selten einen nahtlosen Übergang von verbaler zu physischer Gewalt mit sich bringt.

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