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Freddie Ljungberg räkelt sich in Calvin Klein Unterwäsche, Didier Drogba lässt flüssige Schokolade auf seine nackte Haut tropfen und Cristiano Ronaldo posiert halbnackt in Pepe Jeans – der moderne Fußballer ist zum beliebten Pin-Up geworden. Auch im Vorfeld der EM 2008 ist wieder mit zahlreichen Fußballstars (mehr oder weniger bekleidet) auf den Werbeplakaten zu rechnen.

Der Vorreiter dieser Fußball-Beaus ist unumstritten David Beckham, der vom grünen Rasen in die internationale Klatschpresse aufgestiegen ist. Er trägt Schmuck, Kosmetik und Haarbänder. Ständig präsentiert er sich in einem neuen Look, wechselt Frisuren und Outfits. Sein Stil ist einmal maskulin, dann wieder feminin – er verkörpert den ultimativen androgynen Chic und ist das beliebteste role model des „metrosexuellen“ Mannes. Doch Beckham ziert nicht nur die Titelseiten von Hochglanzmagazinen, er ist mittlerweile Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Monographien. Ist Beckhams Stil eine Art Gender-Confusion? Hat er im Fußball das Spiel mit den Geschlechterrollen salonfähig gemacht? Keineswegs, meint da etwa der Soziologe Lothar Böhnisch. Es wäre die „männliche Welt“ des Fußballs, die dem Superstar Bodenhaftung geben würde. „Die bisherige Konzeption von Männlichkeit im Fußball war die einer harte, traditionellen Person, die ausgeht, um einen zu trinken. Wäre er nicht so ein hervorragender Spieler, hätte man sich über ihn lustig gemacht“, sagt Böhnisch. Zudem wäre er ohne die „warenästhetisch raffinierte Medien- und Konsumgesellschaft, in der androgyner Chic und harte Männlichkeit ohne weiteres nebeneinander existieren“ gar nicht erst dieses Medienereignis geworden.

Die italienischen Designer von Dolce&Gabbana haben sich in der Vergangenheit in ihren Werbekampagnen besonders den Fußballern angenommen. Plakate, die die eingeölten Körper von Zambrotta, Cannavaro und Co in Umkleidekabinen und Duschräumen zeigen, erinnern unweigerlich an das eine oder andere Schwulenmagazin. Offensichtlich sollen derartige Bilder nicht nur das weibliche Geschlecht ansprechen, sondern vor allem auch homosexuelle Männer – eine beliebte Zielgruppe internationaler Designer. Die Verbindung von Fußball und Homosexualität offen zu inszenieren ist jedoch nach wie vor undenkbar. „Schwul leben, heterosexuell lieben“ lautet die Devise. Auf der Website von Cristiano Ronaldo findet sich etwa ein eigenes Fotoalben mit Bildern, auf denen er leicht bekleidet zu sehen ist – Titel: „Girls“! Die Abgrenzung von Homosexualität ist auch ein zentrales Merkmal des Marketing-Konstrukts der Metrosexualität, wie in den Medien immer wieder zu lesen ist. Ja, die Bezeichnung metrosexuell ist letztendlich dazu da, „Männlichkeit“ wieder herzustellen und zu sichern – auch wenn Ronaldo ins Schminkkästchen greift.

Foto: Kampagne von Dolce&Gabbana