Gewitter über Mitteleuropa legten die Fernsehübertragung lahm, nicht aber die Deutschen. Mit einer großen Ton-Bild-Verzögerung traf Miroslav Klose in der 79. Spielminute nach einem Patzer von Rüstü zum zwischenzeitlichen 2:1 für Deutschland.  Zuvor und in der ersten Hälfte hatten die Türken das Spiel gemacht, die deutsche Abwehr agierte weitgehend überfordert und wurde bereits in Minute 22 bitter bestraft: Ugur Boral ließ Lehmann denkbar schlecht aussehen und stolperte den Ball zum 1:0 ins Tor. Praktisch im Gegenzug hatten die Deutschen Erfolg und lieferten einen Vorgeschmack, wie effizient sie im Laufe der Partie noch agieren sollten: Podolski brachte Schweinsteiger ideal ins Spiel, der spitzelte den Ball zum Ausgleich ins Tor (26.).

Nach der etwas glücklichen Führung der Deutschen gut zehn Minuten vor Schluss reagierten die Türken vorerst gelähmt, fanden dann aber zurück ins Spiel. Die Last-Minute-Knipser dieser Euro wurden ihrem Namen vollends gerecht: Semi Sentürk (86.) brachte die Türkei zurück ins Spiel. Wiederum sah die Deutsche Abwehr denkbar schlecht aus, darunter auch Philipp Lahm, den ein Türke vor dem Ausgleichstreffer schwindlig gespielt hatten. Dieser Philipp Lahm aber, der in der 51. von Sabri elfmeterreif aber unbestraft gefoult worden war, nahm sich darauf ein Herz und erzielte eines der schönsten Tore dieser Euro: Der Außenverteidiger ging in der 90. Spielminute nach vorne mit, spielte ab, ging in den Raum, wurde angespielt und vollstreckte von links kommend unhaltbar ins kurze Eck. Genial! Drei Minuten später war Deutschland im Finale. Ich wage zu behaupten, dass wir gestern bereits den Europameister gesehen haben! Die Türken sind draußen, ihr Glück hat ein verdientes Ende genommen.