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… und tausend mal ist nichts passiert. Bei einer Partie ohne echten Favoriten spielten beide Mannschaften, als wären sie nicht der Favorit. Kein Wunder also, dass der Sieger im Elfmeterschießen zu ermitteln war und erstmals bei einem Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in einem Bewerb der Sieger Spanien heißt. Und: Es ist das dritte Mal, dass Spanien übers Viertelfinale hinaus kommen konnte. Das einzig Positive am heutigen Tag: Das Ernst-Happel-Stadion hat eindeutig die beste Akkustik der EM-Stadien … und das sagt auch schon alles über das Spiel.

Die Spanier kamen über 120 Minuten nie so richtig durch die weiße Azzurri-Mauer, die sich vor dem Strafraum aufbaute, die Italiener selbst - zumindest streckenweise hatte es den Anschein - wollten nicht durch jene der Spanier. Beide Mannschaften waren geprägt durch taktisches Geplänkel, welches sich hauptsächlich im Mittelfeld abspielte; Chancen waren Mangelware. Außer einem italienischen Kopfball und einem spanischen Freistoß passierte dann auch nicht viel - eigentlich gar nichts. Distanzschüsse, die im Wiener Nachthimmel ihrer Freiheit nachliefen oder in einer der beiden Abwehrmauern Abdrücke auf der Haut hinterließen. Fazit: Italien steht tief, dadurch ist der Abstand zwischen Mittelfeld und Angriff zu groß um einen guten Konter zu fahren bzw. einen Angriff aufzubauen. Die Spanier ideenlos, teilweise fast entmutigt und viel zu durchsichtig.

Neue Halbzeit, neues Glück? Leider nein. Das abwechselnde Anrennen gegen Abwehrmauern geht munter und fröhlich in die zweite Runde. Beide Mannschaften defensiv, nehmen nie das letzte Risiko. Höhepunkt nach sechzig Minuten: eine perfekt vorgetragene Schwalbe von Toni am Mittelkreis. Ansonsten blieb der Stürmer farblos, harmlos und einfach nur schwach. Zwischendurch vergibt Camoranesi die Chance für die Italiener, kurz danach lässt Buffon einen Schuss von Senna fallen, hat Glück, dass der Ball an die Stange klatscht. Die Spanier trotz allem weiterhin zu langsam, der letzte Pass kommt so gut wie nie an, die Schüsse verfehlen das Ziel zumeist deutlich. Die Italiener spielen weiter auf Elferschießen. Die nackten Zahlen: 7:1 Corner, 18:7 Schüsse und 57:43 Ballbesitz jeweils für Spanien nach neunzig Minuten. Ein verdientes 0:0, weil sie nichts daraus machen konnten.

In den ersten zehn Minuten der Verlängerung passierte schließlich mehr als im Rest des Spiels: Silva schießt aus 16 Metern knapp an der rechten Stange vorbei, di Natales Kopfball wird gehalten und Toni köpft nach einem Corner mit dem Hinterkopf knapp übers Tor. Mit dem Schlusspfiff verzieht Cazorla schließlich noch am langen Eck vorbei. Die Erkenntnis bisher: Fußball ohne Bier ist nichts. Und die Werbung kenn ich auch schon.

Wenigstens bringt das Elferschießen noch ein klein wenig Spannung, wenn schon die Stimmung vor dem Fernseher einen EURO-Tiefpunkt erreicht. Villa, Cazorla, Senna und Fabregas treffen für Spanien, De Rossi und di Natale vergeben bei den Italienern: Spanien siegt mit 4:2 im Elfmeterschießen. Die Stimmung hebt sich schlussendlich auch durch den topmotivierten ORF-Kommentator nicht, der mit orgasmischen Lobeshymnen auf die Spanier die Zuseher in den verdienten Abendausklang entlässt. Ich selbst entlocke mir noch ein Gähnen und werd mich zur Ruhe betten.

Foto copyright: LAN