Gemäß rd. 80% der Teilnehmer unserer letzten Umfrage spielten die Niederlande bislang des schönsten Fußball des Turniers, für die Buchmacher sind die Holländer mittlerweile der heißeste EM-Favorit und auch bei unserer aktuellen Umfrage nach dem Europameister führen die Oranjes die Wertung klar an. Wer soll also nach den eindrucksvollen Vorstellungen in der Gruppenphase einen designierten Europameister Niederlande noch verhindern können? kick08.net liefert wie immer die Antwort: drei Menschen werden dafür sorgen, dass die Truppe von Marco van Basten wieder einmal die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllen und qualvoll am Titel vorbeischrammen wird…

Niederländischer Misserfolgsgarant #1: Guus Hiddink und die Russen

Wahrscheinlich kennt kein Trainer dieser EM den niederländischen Fußball besser als Guus Hiddink, nicht einmal Hollands aktueller Trainer van Basten. Drei Jahre lang war der Niederländer Hiddink selbst Bondscoach und scheiterte mit einer jungen niederländischen Mannschaft sowohl im EM-Viertelfinale 1996 als auch im WM-Halbfinale 1998 erst unglücklich im Elfmeterschießen. Zuvor holte Hiddink in seinen ersten vier Jahren als Cheftrainer des PSV Eindhoven übrigens nicht weniger als drei Meistertitel, drei Pokalsiege und einmal den Europapokal der Landesmeister. In den Jahren 2003 bis 2006 sollte Hiddink wiederum beim PSV Eindhoven eine ähnliche Erfolgsbilanz aufweisen – drei Meistertitel, ein Pokalsieg und ein unglücklich verlorenes Champions League Halbfinale verbuchte der Erfolgscoach wiederum innerhalb von vier Saisonen. Dazwischen schaffte es Hiddink als Nationaltrainer Südkoreas den bislang bei Weltmeisterschaften sieglosen Underdog bei deren Heim-WM zum sensationellen vierten Platz zu führen und feierte dabei unter anderem Siege gegen die Fußballgroßmächte Portugal, Italien und Spanien. Vier Jahre später gelang Hiddink wieder mit einem Underdog eine WM-Überraschung als er Australien ins Achtelfinale der WM 2006 brachte, ehe er gestern seine sensationell aufspielenden Russen in das Viertelfinale dieser Europameisterschaft hievte. Hiddink überstand damit im fünften Versuch bereits zum fünften Mal die Gruppenphase eines Fußball-Großereignisses und wird das spielerisch großartige, junge russische Nationalteam perfekt auf den Viertelfinalgegner Niederlande einstellen. Niemand kennt den niederländischen Fußball und dessen oranges Flagschiff besser als Guus Hiddink, der mit einer weiteren Sensation dafür sorgen wird, dass sich am Samstag zumindest ein Holländer über das Ergebnis freuen kann, nämlich er.

Niederländischer Misserfolgsgarant #2: Luca Toni und die Italiener

Sollten die Niederlande entgegen meiner Prognose doch nicht an Guus Hiddink scheitern, so werden sie es spätestens im Halbfinale bereuen, dass sie im letzten Gruppenspiel den Rumänien nicht den Sieg geschenkt und sich damit die Italiener erspart haben. Die Italiener, die im Gegensatz zum Gruppenspiel gegen die Niederlande ihre Abwehr stabilisieren und ihre Konteranfälligkeit reduzieren konnten. Die Italiener, die sich als Turniermannschaft bislang von Spiel zu Spiel steigern konnten und dank ihrer Stützen Buffon, Zambrotta, Gattuso und Pirlo schön langsam wieder das Weltmeisterschaftsniveau erreichen. Und vor allem die Italiener, bei denen sich Luca Toni nicht nur weiterhin Chance um Chance herausspielen wird, sondern bei denen Luca Toni spätestens im Halbfinale seine akute Abschlussschwäche gegen ein Torfestival, wie er es mit seinen 39 Toren in 46 Pflichtspielen für die Bayern in der abgelaufenen Saison am Fließband produziert hat, eintauschen wird.

Niederländischer Misserfolgsgarant #3: Michael Ballack und die Deutschen

Turniermannschaft, die Zweite. Wer Deutschland nach den enttäuschenden Gruppenspielen abgeschrieben hat, wurde spätestens nach dem heutigen Erfolg gegen die hochgehandelten Portugiesen wieder einmal Lügen gestraft. Ebenso wie Österreich und Deutschland verbindet auch die Niederlande eine fußballerische Rivalität mit den Deutschen, welche in diesem Fall sogar auf Gegenseitigkeit beruht und annähernd auf fußballerischer Augenhöhe besteht. Ebenso wie Österreich haben aber auch die Niederlande bereits ihr Cordoba, bzw. genauer gesagt ihr Hamburg, verbraucht, nämlich mit einem 2:1-Erfolg im EM-Halbfinale gegen Gastgeber Deutschland, auf welchen damals auch der bislang einzige EM-Titel der Oranjes folgen sollte, der ein ebensolches Einzelereignis wie der österreichische WM-Streich 1978 bleiben wird. Dass dem auch so sein wird, dafür wird nicht nur die deutsch-polnische Tormaschine Podolski/Klose und der seine Spiel- und Torabschlussfreude wiedergewonnenen Bastian Schweinsteiger, sondern insbesondere Kapitän Michael Ballack sorgen: Egal ob sein Freistoßtor zum entscheidenden 1:0 gegen Österreich oder sein Kopfballtor samt vorausgehendem hinterhältigem Schubser des Gegenspielers zum entscheidenden 3:1 gegen Portugal – Ballack macht die Big Points, Ballack beherrscht sowohl Torvorlage als auch Torabschluss und Ballack ist nach dem unglücklich verlorenen diesjährigen Champions League Finale heißer auf einen Titel als jeder andere Akteur in einem Finale zwischen Deutschland und den Niederlanden. Sollte es soweit kommen, wird spätestens hier der niederländische Europameistertraum ausgeträumt werden.

Fotos: LAN/kick08.net