Eine Grundregel des österreichischen Fußballgemüts besagt, die eigenen Chancen bereits vor den Spielen gegen Null tendieren zu lassen, sich quasi internationale Chancenlosigkeit als Grundzustand des heimischen Fußballs, aktuell insbesondere des Nationalteams, zu attestieren. Dass man bei der EM damit nicht mehr bis zu den Spielen wartet, sondern bereits vor der Auslosung zur medialen und gesellschaftlichen Verinnerlichung der eigenen ballesterischen Unfähigkeit und Unterlegenheit überschreitet, stellt jedoch ein Novum dar:

Jede Gruppe wäre eine Horrorgruppe, sind sich die Trainer der Bundesliga unisono sicher, als würde jeder von ihnen eine Erwartungsdämpfungsprämie von Teamchef Hickersberger für ein solches Statement sowie dessen erfolgreiche mediale Verbreitung bei der Trainerumfrage zur bevorstehenden Auslosung und den damit verbunden Chancen des österreichischen Nationalteams erhalten. Dabei werden einerseits in Anbetracht des als Ziel ausgegebenen Viertelfinaleinzugs zu schlagende Gegner als beinahe übermächtig dargestellt und andererseits die vom Namen her wahrscheinlich größtmögliche Herausforderung bestehend aus einer Gruppe mit Deutschland, Italien und Frankreich quasi als auslosungstechnischer Tsunami überzeichnet. Ob solche Horrorlose unsere Kicker schon vor der Europameisterschaft zu Horrorlosern abstempeln, wird sich spätestens am Sonntag bei der offiziellen Auslosung der EM-Gruppen zeigen. Dann darf man sich auch auf die ersten chancenrelativierenden Statements von Hickersberger, Stickler, Herzog & Co. freuen…