Der erste Spieltag mit wirklichen Überraschungen: Frankreich liefert eine Nullnummer gegen Rumänien ab, Holland deklassiert den Weltmeister Italien. Die Stimmung in Österreich bleibt dabei weiter verhalten.

Rumänien – Frankreich 0:0

Was sich in Deutschland 2006 als nahezu unmöglich herausstellte, ist bei der Heim-EM in Österreich kein Problem: zwei Stunden vor Spielbeginn einen Tisch vor einer Großbild-Leinwand reservieren. Im Centimeter im 4. Bezirk fanden sich rund 10 Menschen ein, um die Auftakt-Spiele der „Todesgruppe“ C zu verfolgen, immerhin erklärte sich eine Kellnerin bereit, die Lautstärke auf ein hörbares Niveau zu drehen. Die großen Erwartungen an das erste Spiel Rumänien – Frankreich wurden sogleich gebremst: Frankreich ideenlos, ungefährlich und ohne den Rekordtorschützen Thierry Henry – auch der angeschlagene Patrick Vieira fehlte. Rumänien sorgte von Beginn an für ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis, besonders die Abwehr der als Geheimfavorit geltenden Rumänen ließ Frankreich wenig Raum für Chancen.

Offensivaktionen gab es dennoch – auf beiden Seiten – äußerst wenige, Rumäniens Star Mutu blieb ebenso unscheinbar wie das französische Stürmerduo Anelka und Benzema. Auf die erste wirkliche Chance musste man eine halbe Stunde warten (Kopfball von Anelka aus fünf Metern Entfernung). In der zweiten Halbzeit kam wieder etwas Schwung in die Partie, die einzige schöne Aktion blieb jedoch jene von Florent Malouda (49. Minute), der knapp das Kreuzeck verfehlte. Danach machte sich wieder Langeweile breit, auch die eingewechselten Franzosen Gomis (72. Minute) und Nasri (78. Minute) konnten das Ruder nicht herumreißen. Das 0:0 wurde schließlich zumindest von den Rumänen wie ein Sieg gefeiert. Immerhin konnte man dem Vize-Weltmeister, der sich an diesem Abend nicht als ein solcher präsentierte, ein Remis abringen.

Niederlande – Italien 3:0

In Wien fanden sich heute nur rund 15.000 Fans in der Fanzone am Ring ein, auch in den Straßen der Hauptstadt blieben Fangesänge eine Seltenheit. Im Centimeter verdoppelte sich die Anzahl der ZuseherInnen zumindest und die übermächtige Fraktion der Italien-Hasser kam an diesem Abend voll auf ihre Kosten. Holland präsentierte sich klar überlegen, offensiv und angriffslustig. Ruud van Nistelrooy (in Topform!) erzielte in der 26. Minute das Führungstor, das heftig diskutiert wurde: Christian Panucci, der nach einem Zusammenstoß mit Torhüter Buffon hinter der Torlinie lag, hob aber die Abseitsstellung des holländischen Stürmers auf. Wenige Minuten später sorgte Wesley Sneijder nach einer Flanke von Van Bronckhorst für den zweiten Treffer – und das schönste Tor der EM. Spätestens zu diesem Zeitpunkt blutete das italienische Fanherz, vor allem angesichts der eklatanten Schwächen in der Abwehr und (später) jeder Menge vergebener Chancen. Der verletzte Kapitän Fabio Cannavaro, dessen Ausfall schmerzlich spürbar war, konnte das Spiel nur von der Bank verfolgen – mit verzweifeltem Gesichtsausdruck. In der 64. Minute holte Teamchef Roberto Donadoni Joker Allessandro del Piero. Der Kapitän von Juventus Turin brachte neuen Schwung ins Spiel, doch ein so grandioses Tor wie gegen Deutschland im Halbfinale der WM 2006 gelang ihm nicht.

Das dritte und letzte Tor ging schließlich auf das Konto von Giovanni van Bronckhorst, Kopfball, 3:0. Tadellos die Leistung des holländischen Keepers Van der Saar, zwei gefährliche Schüsse aufs Tor von Del Piero und Di Natale blieben ohne Erfolg. Eine völlig verunsicherte italienische Mannschaft rettete sich schließlich bis zum Schlusspfiff und entschuldigte sich bei ihren Fans für die enttäuschende Leistung. Immerhin gibt der schwache Auftritt der Franzosen den Azzuri Hoffnung, auf die kommenden Spiele dieser holländischen Mannschaft darf man gespannt sein – vielleicht reicht es nach 20 Jahren endlich wieder für den Final-Einzug.

Fotos: the/kick08, guuleed / CC