Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w00ae177/kick08/wp-content/plugins/polls/polls.php on line 622

Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w00ae177/kick08/wp-content/plugins/polls/polls.php on line 632

Deprecated: preg_replace(): The /e modifier is deprecated, use preg_replace_callback instead in /www/htdocs/w00ae177/kick08/wp-content/plugins/contact-form-7/wp-contact-form-7.php on line 71

Ob Private-Viewing der kleine Bruder vom Public-Viewing ist, mag nicht mit großer Sicherheit bestimmbar sein. Zweiteres gab es auf jeden Fall schon länger, man bedenke etwa die Gladiatorenkämpfe im antiken Rom oder die Shows, die die heilige katholische Inquisition in mittelalterlichen Städten veranstaltete. Doch spätestens als der Fernseher massentauglich wurde, schlug die Geburtsstunde des Private-Viewings. Und auch wenn einem seit Jahr und Tag eingeredet wird, dass man Fußballgroßveranstaltungen am besten mit Tausendschaften genießen sollte, gibt es noch immer einige Verfechter des Privaten. Ich scheute weder Kosten noch Mühen um eine dieser raren Veranstaltungen für die Leserinnen und Leser von kick08.net zu besuchen.

Es begann mit einer mysteriösen SMS, welche meinen Puls zum rasen brachte. Meine Anfrage zum Besuch eines Private-Viewing-Abends wurde positiv beantwortet. Und so fand ich mich, nicht sicher was zu erwarten wäre, an einem Samstag in der wohl finstersten Ecke meiner 6.000-Einwohner Heimatgemeinde ein. Pünktlich, 20 Minuten zu spät, kam mein Kontaktmann. Ein furchterregender 1,70 m Riese mit wildem Blick. Mir wurde ein Jutesack über den Kopf gestülpt und ich wurde unsanft auf den Gepäcksträger eines Fahrrades gestoßen. Die Veranstaltung schien so exklusiv zu sein, dass es mir nicht einmal erlaubt wurde, den Weg zu erspähen. Es hätte genügt, wenn man mir die Brille abgenommen hätte. Nach schier endlos währender, mindestens 35 Sekunden dauernder wilder Fahrt schienen wir angekommen zu sein. Ich wurde über eine Treppe gedrängt und merkte instinktiv, dass ich mich nun in einem Haus, oder zumindest einer Höhle, befinden musste. Endlich wurde mir der leicht müffelnden Jutesack entfernt. Vor mir stand der Pate , der capo dei capi dieses Private-Viewing Events. Er stellte sich unter seinem Tarnnamen “Ük” vor.

Nach höflichen Begrüßungsfloskeln meinerseits wurde ich noch einmal tüchtigst eingeschüchtert und konnte endlich das Reich des privaten Fußballgenusses betreten. Nach einer Stunde wurde das Mißtrauen gegenüber meiner Person geringer und man ließ mich aus der Besenkammer, in die man mich vorsorglich eingesperrt hatte, während ich den Lügendetektortest erfolgreich bestand. Nun hatte ich meine volle Bewegungsfreiheit wiedererlangt.

Aufgrund aktueller Ereignisse sah ich es als meine Bürgerpflicht an, zuerst den Keller zu inspizieren. Man weiß ja nie, was sich in österreichischen Untergeschossen verbirgt. Da es keine Lichtquelle gab, stolperte ich die gefühlten 1.345 Stufen hinunter, brach mir zwei Rippen, konnte die Kamera jedoch mit meinem Kopf vor dem Aufprall schützen. Doch endlich fand ich einen Lichtschalter und biss die Zähne zusammen. Was ich erspähte war ein Skandal.

Es war Bier! Umgerechnet auf die Preise des Gerstensaftes in den offiziellen Fanzonen lagerte hier, direkt vor mir, der Wert eines Eigenheimes - oder zumindest einer gutbürgerlichen mongolischen Jurte. Das wirklich perverse an der gesamten Situation war, dass diese Getränke zur freien Entnahme waren. Auf mein zweifelndes nachfragen erfuhr ich, dass sich hier ein System der Solidarität entwickelt hätte, wonach jeder Teilnehmer einen Teil beisteuern würde. Laut gängigen Kapitalismutheorien sollte Kapital doch in Bewegung bleiben, um sich zu vermehren. Dieser Kreislauf wurde hier einfach und mit einer Todesverachtung unterbrochen.

Doch nun begann das Spiel. Der winzige Bildschirm schien der Stimmung keinen Abbruch zu tun. Während anderswo Menschen im Regen litten, wurde hier auf Sofas und Bierbänken gesessen und dazu gab es noch Nahrung … und natürlich oben beschriebenes Bier. Die Private-Viewer, die mich zuvor als Vertreter der “Vierten Gewalt im Staate” so misstrauisch beäugten, schienen nun endgültig aufgetaut zu sein. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als es mir auch erlaubt wurde, wie alle anderen, in Schlachtgesänge einzustimmen und bei strittigen Situation den winzigen Bildschirm anzuschreien. Wie winzig das Sehfeld genau war lässt sich aus dem folgenden Foto, welches den Schreiberling als Vergleichsgröße beinhaltet und die Reportage beschließt, erahnen.

Fotos: Mig/kick08.net