Der geneigte Fußballfan hat zur EM eine riesige Auswahl an Möglichkeiten. Vom Public-Viewing in den offiziellen Fanzonen zum Public-Viewing in Gaststätten, vom Private-Viewing mit Freunden bis zum Stadionbesuch – sofern man höllisches Glück hatte und eine der begehrten Karten ergattern konnte. Und wem dies alles zu stressig, zu aufwändig oder einfach nicht koscher ist, dem bleibt noch immer das eigene Sofa und der eigene Fernseher. Über 120 Stunden Live-Übertragung alleine auf ORF 1, inkl. Vorberichte zu Vorberichten. Das Paradies des Fußball-Overflows.

Doch was ist mit jenen bemitleidenswerten Geschöpfen die Fußball gar nicht mögen, ihn ablehnen, aus welchen Gründen auch immer? Selbst schuld, könnte man meinen. Aber irgendwie ist man dann doch sozial und bemitleidet die armen Gestalten ein Wenig. Denn was erwartet sie? Rosamunde-Pilcher-Folter, „Familie Sonnenfeld“ oder auch „Der Ferienarzt“ werden das zweite Programm des österreichischen Rundfunks in eine neue, nie dagewesene Niveaulosigkeit stürzen. Da sich die Werbewirtschaft nun einmal nicht so gerne in fussballfreie Zonen während einer EM begibt, dürften auch bei vielen Privatsendern die attraktiven Formate ausbleiben (so es sie jemals gab).

Etwas sportlicher gibt sich immerhin noch der Pay-TV-Sender „Sat 1 comedy„, indem er einen Eintrag ins „Guiness Buch der Rekorde“ erreichen will. Für friends der Fernsehserie „Friends“ beginnt am kommenden Samstag ein wahrer Marathon. 236 Episoden aus 10 Staffeln sollten für den Eintrag langen. Was bleibt den Fußballverächtern also? Herz-Schmerz, stumpfsinnige Billigformate und ein weiterer Rekordversuch, auf den die Welt mit Sicherheit nicht gewartet hat. Noch nie war es schöner Fußballfan zu sein.