Die offizielle Hmyne zur Euro 2008 kommt nicht von Shaggy, sondern von Enrique Iglesias. Der spanische Barde singt „Can You Hear Me“ – und nicht nur die Hamburger Tageszeitung „Die Welt“ meldet Bedenken an: „(…) Enrique Iglesias und sein Gequengel(,) werden die Fußball-Europameisterschaft nicht nur begleiten. Niemand wird es überhören können. Vielleicht wird Europa sogar froh sein, wenn das Fußballfest vorüber ist, nachdem Iglesias im Ernst-Happel-Stadion zum Finale am 29. Juni ‚Can You Hear me‘ vorgetragen hat. Im Auftrag der Uefa. Offiziell. In Wien. Es ist, wie das Lied selbst, ein Jammer.“

Nun gut, da ist wohl auch ein wenig Katzenjammer der Hamburger Journaille herauszuhören, schließlich muss es nicht immer Herbert Grönemeyer – wie bei der WM 2006 – sein. Ein kick08.net-Ohrenschein jedenfalls bestätigt: Iglesias‘ Lied geht ins Ohr und hat die „Qualität“, sich dort als Wurm einzunisten. Der Kuschelsänger hat, das muss man ihm lassen, eine flotte, aalglatte, marktgerechte und technoid-angehauchte Schnulze produziert bzw. produzieren lassen. Die Massen werden diesen Eurodisco-Sound wohl lieben, auf jeden Fall wenn sie vorher genug Bier – Carlsberg – intus haben. Da kann die „Welt“ noch so viel – und auch zu Recht – lästern: „Wenn der gebürtige Spanier Enrique Iglesias überhaupt für etwas steht, dann für konfektionierten, amerikanisierten Latinpop. Sein Vater Julio immerhin stand bei Real Madrid als Kind im Tor, bevor er begann, Schlager zu singen. Enriques Freundin Anna Kurnikowa spielte lausig, aber viel beachtet Tennis.“

Der europäische Fußballverband Uefa ist sich jedenfalls sicher, mit Iglesias‘ Ballermann-Disco-Vier-Minüter einen Goldgriff getan zu haben: „Enrique ist für uns die perfekte Wahl – er ist ein internationaler Superstar, der Fußball liebt und europäische Wurzeln hat. ‚Can You Hear Me‘ wird zusätzlich zur Party-Atmosphäre bei der Euro 2008 beitragen“, sagt Philippe Margraff, Marketing-Direktor der Uefa. Da mag er Recht haben.

Die Klagen der „Welt“ also in allen Ehren, aber „Can You Hear me“ ist beileibe nicht die einzige Peinlichkeit dieser Euro – und keine Sorge, es werden noch viele dazukommen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das Abschneiden der österreichischen Nationalmannschaft nicht in die Kategorie „Peinlichkeiten“ einreiht.

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