Groß war die Aufregung über die beiden internen Testspiele des ÖFB-Teams auf Sardinien, bei welchen sich jeweils zwei Mannschaften à 10 Spieler gegenüberstanden, sowohl bei FM4-Fußballanalytiker Blumenau als auch bei Ballverliebt-Blogkollege Pichler. Während Zweiterer sinnvollerweise die sportlichen Aspekte in den Hintergrund rückte und insbesondere die mediale Überbewertung eines zwanzigminütigen Tainingskicks durch den ORF kritisierte, widmete Ersterer der vermeintlichen Sinnlosigkeit eines Matches zweier Mannschaften in Unterzahl sowie der diesem Umstand zugrundeliegenden Einberufung eines 20-Mann-Kaders zwei Mal einen eigenen Artikel, dabei sowohl beim ersten Mal als insbesondere auch beim zweiten Mal mit vermeintlich beabsichtigter Kürze die fehlende inhaltliche Tiefe seines Arguments galant kaschierend.

Zugegebenermaßen, vor einem halben Jahr war ich auch noch der Meinung, dass ein frühzeitiges Ende der österreichischen Bundesliga samt dadurch ermöglichten Trainingscamp der in den erweiterten Kader einberufenen Bundesligaspieler wenig Sinn macht. Dem war jedoch nicht so, was sich bereits in den letzten Wochen anhand erster Informationen abzeichnete und sich vergangene Woche im Teamcamp bestätigte, auch wenn so mancher Fußballanalytiker weiter auf maximal sekundären Teilaspekten herumreitet. Was der ÖFB hier auf die Beine stellte, war nämlich der erste erfolgreiche Schritt einer professionellen unmittelbaren Turniervorbereitung, wie sie der heimische Fußball noch nie gesehen hat (und wie zu befürchten ist auch nie mehr sehen wird).

Doch kommen wir zum Kern der Kritik, den beiden Testmatches. Diese waren einmal eine das Konditionstraining ergänzende 40minütige Übung und einmal ein lustiges 20minütiges Abschiedsspielchen zweier Teams, die auch wenn sie zu elf gewesen wären, in diesen Formationen im Nationalteam nie wieder zusammengespielt hätten. Auch ein von Pichler indirekt suggeriertes 90minütiges Trainingsspiel hätte gegenüber den gezielten Konditionsübungen nur eine sehr eingeschränkte Wirkung gehabt, da davon auszugehen ist, dass sich zwei aus österreichischen Bundesligaspielern bestehende Teams nicht annähernd auf internationalem Wettbewerbsniveau messen können. Profunde systembezogene bzw. taktische Vorstellungen in solchen Spielen zu testen macht somit genausowenig Sinn wie diese als gewichtiges Kriterium für die Wahl oder Nicht-Wahl einzelner Spieler bei der bevorstehenden Kaderreduzierung heranzuziehen, schließlich müssen sich diese nicht in Spielübungen zweier nicht aussagekräftiger Bundesliga „All Star Teams“ sondern im direkten Duell mit ihren Stammplatzkonkurrenten, nämlich den Legionären, in den kommenden zwei Wochen beweisen, denn primär befindet sich jeder Spieler im Kampf um einen Platz in der Startelf und nicht um einen Platz auf Position 22 oder 23 im Kader. Dafür wird es in den nächsten Wochen noch genug Gelegenheit geben, sowohl in aussagekräftigen internen Testspielen als auch insbesondere im Freundschaftsspiel gegen Nigeria, ebenso wie für taktische Übungen, welche ohnedies sinnvoller sind wenn der gesamte Kader inklusive Legionäre zur Verfügung steht.

Viel wichtiger war es nämlich jetzt, sich einen wirklich umfassenden Einblick in den körperlichen Zustand (und dieser betrifft nicht nur die Kondition sondern im modernen Fußball gerade auch kognitive und andere beispielsweise anhand der Sehtests abgerufene Fähigkeiten) der in der Bundesliga im Vergleich zu den Legionären auf deutlich niedrigerem Niveau betreuten und geforderten Kicker zu verschaffen und diese gezielt und individuell auf ein höheres Niveau zu heben. Und gerade im Hinblick darauf, gehe ich davon aus, dass das österreichische Trainerteam bewusst nur 20 Bundesligaspieler ins Trainingscamp mitgenommen hat, um angesichts sicherlich eingeschränkter personeller Ressourcen möglichst effektive und effiziente Konditionstests zu ermöglichen und nicht die Qualität und Quantität der Tests zugunsten eines vermeintlich erhöhten Pseudorealismus in nicht aussagekräftigen Spielübungen zu verringern. Darüber hinaus hätte man – um wirklich auf Nummer sicher gehen zu können – nicht nur die zwei benötigten zusätzlichen Mittelfeldspieler, sondern auch für sämtliche Verletzungsmodalitäten weitere Spieler für andere Positionen einberufen müssen, was den Kader unnötig aufgebläht und damit die Effizienz der Konditionstests mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verringert sowie möglicherweise das Mannschaftsklima verschlechtert hätte. Abgesehen davon war darüber hinaus gerade im Mittelfeld in der Liga keine (in Form befindliche) Qualität mehr vorhanden, in welche es die begrenzten Teamressourcen zu investieren wert gewesen wäre. Die Leistung eines komplett außer Form befindlichen Yüksel Sariyar bringt ein Trainings-Backup Andreas Herzog nämlich auch, zumindest wenn es in einem – wie oben argumentiert – wenig Bedeutung zuzumessenden Trainingscamp-Abschiedsspiels nur über 20 Minuten geht. Somit hätte man sich abschließend nur wünschen können, dass sich mehr Experten dem Appell Mike Oberbichlers nach geringerer medialer Ausschlachtung interner Trainingsspielchen angeschlossen hätten…