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Über den “Europass und die Fußballproduktion in Pakistan” referierte Dr. Jörg Zimmermann aus Berlin heute im Rahmen der empfehlenswerten Vortragsreihe “Geographie am Ball: Regionale und globale Dimensionen des Fußballs” in Wien. Erst heute vermeldete Adidas eine Steigerung des Gewinns im ersten Quartal um 32% auf 169 Millionen Euro, die Fußballproduktion mache dabei laut Zimmermann zwar lediglich 2% des Umsatzes aus, besitze aber eine hohe Symbolkraft für den Konzern - oder anders ausgedrückt: “Fußball ist das Herzblut der Marke Adidas”, wie Vorstandschef Hainer heute vermeldete. Seit 1970 ist Adidas offizieller Balllieferant für die Großereignisse der FIFA und UEFA, zuletzt wurden 15 Millionen WM-Bälle “Teamgeist” verkauft, das EM-Pendant “Europass” soll 6 Millionen Mal über den Ladentisch gehen. Diese beiden letzten Paradestücke aus dem Fußballsortiment wurden übrigens als erste mit einer neuen Produktionsweise (Thermoverfahren statt Nähen) hergestellt und sowohl als offizieller High-Tech-Matchball als auch in der günstigeren Replique-Version angeboten. Soviel zu den Hard Facts, nun zur kleinen Reise durch die Welt der globalen Fußballproduktion:

Sialkot in Pakistan nennt sich selbst die Welthauptstadt des Fußballs, insgesamt 100.000 Menschen sind dort vor allem als NäherInnen in der Sportartikelindustrie beschäftigt und widmen sich insbesondere der von der Materialbereitstellung bis zum Versand rd. zwei bis drei Stunden dauernden Herstellung von Fußbällen. 56 Millionen Fußbälle wurden dort im WM-Jahr 2006 von den rd. 50.000 NäherInnen hergestellt, doch trotz dieser Rekordproduktion verflachten die Erlöse der Region aufgrund eines Rückgangs des Durchschnittspreises von 3,80 auf 3,56 Euro pro Ball für Exporte in die EU. Richtig gelesen, durchschnittlich 3,56 Euro kostet ein hierzulande deutlich teurer verkaufter Fußball, genauer genommen landen von den 25 Euro Endverbraucherpreis rd. 3 Euro in Pakistan, 1 Euro geht für Materialimporte drauf und die restlichen 21 Euro machen die Kosten und insbesondere den Gewinn für Markenfirmen und Einzelhandel aus! 51 Cent beträgt übrigens der Anteil der NäherInnenlöhne, im Falle von Kinderarbeit wie unlängst beim Skandal der Credit Suisse Promotionbälle sogar nur 24 Cent. Dass diese Löhne unter dem Existenzminimum liegen, Gewerkschaften de facto nicht existieren, die Arbeitsverhältnisse höchst unsicher sind und schlechte Arbeitsbedingungen an der Tagesordnung stehen, versteht sich leider von selbst.

Dennoch existiert wenig Hoffnung auf eine Besserung der Situation in Pakistan, schließlich lauert die Konkurrenz in unmittelbarer Nähe: Hier das thailändische Sriracha, welches die High-Tech-Variante von Teamgeist und Europass herstellt. Dort das chinesische Donguan City, welches mittels maschineller Fußballproduktion insbesondere für Promotionzwecke Niedrigpreisbälle um 1,34 Euro pro Stück anbietet, mit 35 Euro Monatslohn bei bis zu 70 Stunden Wochenarbeitszeit den Markt mit unfair hergestellten Billigfußbällen überschwemmt und nach einem kometenhaften Aufstieg in Kürze Pakistan als Fußballproduzent Nummer eins ablösen wird.

Somit schließt sich der Kreis mit ein paar Statistiken: Während das Umsatzverhältnis zwischen Adidas und Sialkot im Jahr 1980 bei 10:1 lag, betrug es letztes Jahr bereits 49:1, Tendenz exponentiell steigend. Der Gewinnanteil von Adidas an einem 25 Euro Ball ist mit 8,20 Euro ungefähr vier Mal so groß wie jener der pakistanischen Hersteller. 2,63 Euro fließen in die Werbung gegenüber 0,51 Euro für die Löhne der NäherInnen. Der Chef von Adidas verdient 391.500 Euro pro Monat, ein(e) NäherIn in Pakistan 44 Euro. Die Kommerzialisierung der Europameisterschaft bezahlen also die Konsumenten und die eigentlichen Produzenten, so Zimmermann, der mit konstruktiven Appellen abschloss: So könne der Mensch beispielsweise als Konsument fair hergestellte Bälle kaufen, als Arbeitnehmer für globale Mindestlöhne und Mitbestimmungsrechte eintreten und als Bürger globale soziale Rechte stärken. Auch ein abschließender Hinweis auf die auf kick08.net bereits vorgestellte “Play Fair”-Kampagne durfte in diesem sehr gelungenen und interessanten Vortrag nicht fehlen.

Foto: LAN/kick08.net