Etwas mehr als einen Monat vor Turnierbeginn üben zwei der Hauptsponsoren scharfe Kritik an der öffentlichen Bewerbung der Fußball-Europameisterschaft. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin „trend“ in seiner morgen, Montag, erscheinenden Ausgabe.

Der Geschäftsführer der PayLife Bank (u.a. „Mastercard“) und die Marketingmanagerin des Elektronikkonzerns JVC halten es mittlerweikle bereits für zu spät, um noch eine effiziente Kampagne zu starten. Die Euro sei zu wenig präsent, öffentlich wirksame Maßnahmen gingen alleine von Sponsoren aus, die Initiativen der einzelnen Austragungsorte seien dagegen kaum wahrnehmbar.

Turnierdirektor Christian Schmölzer gesteht Fehler bei der Bewerbung des Großevents ein: Die Euro werde zu sehr mit eigenen Slogans beworben, über öffentliche Logos werde nicht kommuniziert. Es gebe daher kein einheitliches Erscheinungsbild. Schade sei es außerdem, dass es in Österreich keine Organisation vorhanden ist, die sämtliche Aktionen der Austragungsorte (Wien, Salzburg, Klagenfurt, Innsbruck) koordiniert. „Die Euro ist trotz vieler Aktionen nicht so präsent, wie sie sein müsste.“

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Die Kritik der Sponsoren wirkt – bei aller möglichen Berechtigung – etwas übertrieben. Es sieht fast so aus, als wolle man bei PayLife oder JVC seine Machtposition als Hauptsponsor unterstreichen. Sieht man sich die einzelnen Initiativen der Austragungsorte an, entsteht dennoch ein wenig zufriedenstellendes, weil durchwegs uneinheitliches Gesamtbild: Kaum bekannt – vor allem für Nichtkärntner – ist das Portal „Klagenfurt am Ball“ der Kärntner Landeshauptstadt zur Euro. Die Südösterreicher orientieren sich dabei Slogan-technisch an der bekannteren Initiative der Bundesregierung „Österreich am Ball„. Die Host-City Salzburg hat ein Weblog eingerichtet: „Fußballfestspiele für Europa“ – die Musikaffinität der Mozartstadt lässt grüßen. Gänzlich unbekannt sind mir die Werbemaßnahmen des Austragungsort Innsbruck: Im Internet ist ein etwas farbloes Portal mit dem schnöden Namen „Host City Innsbruck Tirol“ zu finden. Und Wien („Vienna waits for you“) wirbt gleich mit dem Finale: „Europas Fanzone – wo sich die Europameisterschaft entscheidet„.

Ein gemeinsames Online-Portal, eine städteübergreifende Initative – das wäre nicht zu viel verlangt gewesen – aber im föderalistischen Österreich scheitern solche womöglich auch an gewissen Bundesländer- und Städte-Rivalitäten. Mit einem Nichteintreten eines Euro-Overkills ist dennoch nicht zu rechnen – die Industrie vermarktet das Event – von der Unterhose bis zum Filzschlapferl, von der Fertigpizza bis zur Penisionsvorsorge – schließlich nicht gerade ungeschickt…

Foto: LAN/kick08.net