Gastkommentar von Manuel Bacher

Trotz der voranschreitenden Kommerzialisierung des Fußballsports einhergehend mit den daraus hervorgehenden negativen Begleiterscheinungen bringt so eine Europameisterschaft – egal ob sie im eigenen Land stattfindet oder nicht – auch jede Menge Spaß.  Gemeint ist hier allerdings nicht das Vorfeiern und sich Betrinken mit Fußballfans aus den verschiedensten Ländern in österreichischen Bars. Auch das Eindecken mit den offiziellen UEFA-Fanartikeln zählt meiner bescheidenen Meinung nach nicht dazu.

Vielmehr bringt ein Ritual Freude, welches man meinen möge, das es nur von Kindern und Jugendlichen praktiziert wird. Doch da täuscht man sich gewaltig. Auch ältere Herrschaften decken sich bei den Supermarktkassen mit oft bis zu 30 Packungen an Panini-Pickerln ein. Noch an Ort und Stelle wird eine Packung nach der anderen geöffnet um nachzusehen, ob man endlich den noch fehlenden schwedischen Star Ibrahimovic in das Heft einkleben kann.

Alle zwei Jahre gehört diese Prozedur nun schon zu den Fußball-Veranstaltungen dazu, wie die Fahnen der Nationen, die in den Stadien wehen. Ich erinnere mich noch gut, als ich mit meinem Hauptschullehrer, der eine fanatischer Fußballanhänger ist, fast täglich Spieler ausgetauscht habe, welche in meinem Album noch fehlten. Von diesem Austausch profitierte wiederum mein Lehrer, der öfter von mir ihm fehlende Kicker bekam.

Besonders bekannte Spieler und sogenannte „Superstars“ sind bei dieser Sammelleidenschaft von hohem Wert. Beim Tausch können diese oft nur durch die Abgabe von drei bis vier „mittelmäßigen“ Spielern erworben werden. Voller Stolz tauchen Jugendliche in der Schule auf, um den Klassenkameraden den portuguiesischen Star Ronaldo vor die Nase zu halten.

Nicht nur in der Schule ist das Album allgegenwärtig. Selbst Mütter, die ansonsten mit dem Fußballsport nichts am Hut haben, sind plötzlich interessiert und Blättern voller Interesse das Album des Sohnemannes durch. Hier erfahren sie nämlich aus erster Hand, was sich bei der EM im eigenen Land abspielen wird, wo die Spiele stattfinden werden und welche Schönlinge schließlich den Europameistertitel erringen können.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass solche Personen, denen ansonsten der (Vereins)Fußball nur wenig Freude bringt, mit Spaß bei der Salzburger Nachrichten – Telefonumfrage alle Spielorte der EM 2008 nennen können und auch ansonsten so einiges aus dem Nähkästchen zu erzählen wissen.

Natürlich geht die ganze Sache auch ins Geld. Billig ist der Spaß nämlich nicht. Allerdings kann man in diesem Album fast alle EM-Spieler bewundern. Wenn man eine sündteure Karte für ein Match erworben hat, kann man nämlich „nur“ 22 Kickern für 90 Minuten zuschauen. Das Album hingegen kann man bis an sein Lebensende aufbewahren, immer wieder hineinschauen und sich daran mehr als nur 90 Minuten erfreuen ;0)