„Dieser Steilpass der Credit Suisse ging voll daneben“ schrieben unsere Blog-Kollegen von Eurospuk über eine Werbeaktion der Bank, bei der zu einem Spottpreis in Pakistan mit Kinderarbeit hergestellte Fußbälle verteilt wurden und betitelten diese Aktion mit dem noch milden Attribut „peinlich“. Ob der Grund für diese soziale Entgleisung in Geiz, Unkenntnis oder Wegschauen liegt, bleibt natürlich offen – fest stehen hingegen ein negativer Werbewert für das Finanzinstitut und die Notwendigkeit von Kampagnen wie der internationalen Aktion „Play Fair 2008“ von Gewerkschaften und NGOs für die Europameisterschaft und die Olympischen Spiele 2008. Denn obwohl sich mittlerweile jeder Konsument bewusst sein sollte, dass von den 100 Euro für ein Paar Sportschuhe in Österreich nur 40 Cent an die ArbeiterInnen gehen, ist ein bewusster strategischer Konsum vielerorts leider noch ein Fremdwort.

Erich Fenninger (Volkshilfe): „Play Fair 2008 setzt sich für existenzsichernde Löhne ein. Denn nur eine gerecht bezahlte Arbeit erlaubt es den Menschen langfristig aus dem Armutskreislauf auszubrechen.“

Gerade die Markenfirmen und Sponsoren aus der Sportartikelindustrie stehen bei „Play Fair 2008“ im Kreuzfeuer der Kritik, in einem User-Artikel von ronald.n auf Utopia.de wird der Kontrast zwischen Glamour, Wettkampf und Umsatzsteigerungen sowie den diesen zugrunde liegenden ausbeuterischen Arbeitsbedingungen eines modernen Sklaventums hergestellt. Trotz Umsatzsteigerungen von bis zu 250% in den vergangenen vier Jahren habe sich an den „langen Arbeitszeiten, Hungerlöhnen und gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen“ (Michaela Königshofer, Clean Clothes) nämlich nichts geändert. Neben dem Konsumenten wird insbesondere an die großen Sportinstitutionen wie das IOC oder die UEFA appeliert, ihren durch Sponsoren- und Lizenzverträge manifestierten Einfluss geltend zu machen und mehr Verantwortung für die Arbeitsbedingungen der Branche zu zeigen.

Rudolf Kaske (ÖGB): „Auch die Euro wird die Kassen der Wirtschaft klingeln lassen. Deshalb wollen wir auch für die Beschäftigten ein größeres Stück vom Kuchen haben.“

In Österreich versuchen neben Clean Clothes der ÖGB und die Volkshilfe Aufmerksamkeit zu schaffen und erhalten dabei unter anderem prominente Unterstützung von Ex-Schwimmeuropameisterin Vera Lischka. In einer weiteren Aktion namens „Fair play at work“ macht der ÖGB darüber hinaus auch über die Rechte der österreichischen ArbeitnehmerInnen – insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Handel und Gastronomie – im Zuge der EM aufmerksam. Dies unterstreicht, dass gerade im Bereich der fairen und sozialen Arbeitsbedingungen sowohl eine nationale als auch insbesondere eine globale Bewusstseinsbildung und dementsprechendes Handeln notwendiger denn je sind, damit die Menschen nicht zu Sklaven des herrschenden Wirtschaftssystems werden.

P.S.: Kommenden Montag, 5. Mai, gibt es eine sicherlich interessante Pressekonferenz der „Play Fair“-Kampagne mit Vertreterinnen aus China und Österreich in Wien: Mehr Infos hier.