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Eva Kreisky, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Wien, referierte am Ende des ersten Konferenztages in ihrer Keynote-Speech über Fußball als “Spektakel der Männlichkeit”. Soziale, ethische, politische und ökonomische Aspekte bilden sich im Fußball ab, dessen Grundarrangement ein Spektakel für und von Männern darstellt, obwohl auch Mädchen und junge Frauen mit Begeisterung Fußball spielen und die maskuline Fankultur aufmischen. Antiquierte Gesten wie das Schenken eines Kaffeeservices und Bügelbretts an die Damennationalmannschaft als Prämie für den EM-Titel 1980 durch den DFB gehören glücklicherweise auch der Vergangenheit an. Darüber hinaus drängen der weltweite Hype neoliberaler Politik und die Körperbetonung die herkömmliche proletarische Männlichkeit des Fußballs in den Hintergrund, während auch die neoliberale Art der Feminisierung der Fußballarenen großer Klubs weiter voranschreitet. Frauen werden als neue Zielgruppe im Zuge der Globalisierung des Spektakels gesehen und sind als Beitrag zur Deeskalation in den Fankurven willkommen.

Auf diese Weise wird ein Gegenpol zur archaisch eingefrorenen Stimme männlicher Fankultur geschaffen und Verunsicherung und Aufruhr in die Welt der maskulinen Fußballkultur gebracht. Dies wirkt einer die Männlichkeit als System im Fußball konstruierenden Entwicklung entgegen, welche vor dem ersten Weltkrieg begann als der Fußball alle Schichten der männlichen Gesellschaft erfasste und die bis dahin im Vordergrund stehende bürgerliche Spielkultur in den Hintergrund drängte. Ein kurzer Exkurs zur historischen Genese des Spiels unterstreicht diese Entwicklung des Fußballs, welcher ein Ventil für Spannungen unterschiedlicher sozialer Gruppen bietet, vom gemeinschaftlichen Volksfußball zur Exklusion der Frauen aus dem Fußball.

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Die Analyse des Fußballs als alltagskulturelles System zeigt eine männliche Inszenierung des Fußballs, in welcher der Frauenfußball oftmals als minderwertig verschmäht wird, was sich unter anderem auch in der eigenen sprachlichen Deklaration des “Frauenfußballs” (während der “Fußball” automatisch mit “Männerfußball” gleichgesetzt wird) ausdrückt. Gemäß diesem Androzentrismus wird die Männlichkeit zum Prinzip gemacht während die Weiblichkeit als inferior abgewertet wird. Individuelle Männer richten sich im Fußball an hegemonialen Männlichkeitsmustern aus, Männlichkeit wird zur gesellschaftlichen Herrschaftsstruktur verdichtet, was beispielsweise durch die Anwendung militärischer Werte auf das zivile Fußballspiel zu Beginn des modernen Fußballs verstärkt wurde. Das männliche Abgrenzungsbedürfnis äußert sich im Fußball daher als nationaler Chauvinismus, Sexismus und Homophobie, welche durch die neoliberale Globalisierung verstärkt werden. Der Fußball bietet gesellschaftliche Enklaven für Männlichkeitsidyllen, in welchen aber auch weiblich konnotierte Gefühle ausgeübt werden können. Es wird eine männerharmonische Scheinwahrheit geschaffen, welche durch die sprachliche Abgrenzung nach innen und außen verstärkt wird und sich beispielsweise in Frauenfeindlichkeit und Sexismus als präsenter Teil der Fankultur manifestiert.

Diese Inszenierung der Männlichkeit geht einher mit der Selbstinszenierung der Politik-, Wirtschafts- und Medienelite auf den Tribünen wenn es um die vermeintliche Verteidigung nationaler Werte geht. Dieser Nationalismus manifestiert sich darüber hinaus im tiefgründigen Sprach- und Wertetransfer aus dem Fußball in die Politik sowie den bewussten oder unbewussten Anleihen der Fußballfankulturen am Kriegerischen. Abschließend thematisierte Kreisky noch die männerbündischen Merkmale in der Konstruktion von Fußballstadien, wobei sich die urmaskuline Inszenierung aufgrund der Architektur der neuen High-Tech-Arenen im Untergang befindet und der Fußballfan zu einer bloßen Inszenierung einer globalisierten Eventkultur degradiert wird.

Foto: LAN/kick08.net