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Fußball-Lieder sind selten gut. Vor zwei Jahren hat uns Bob Sinclair mit seinem „Love Generation“ genervt, Shaggy ist mit „Like A Superstar“ ein ordentlicher Griff ins Klo gelungen und Xavier Naidoo hat mit seiner Post-WM-Hymne „Danke“ neue Standards in Sachen Peinlichkeit gesetzt. Das Wiener Label LasVegas Records liefert nun zusammen mit FM4 und dem Fußballmagazin Ballesterer einen Fußball-Soundtrack ab, der sich gegen solchen Kommerz wendet. Am 4. April erscheint das Doppel-Album „Lieber ein Verlierer sein…- ein Soundtrack zu einem unsagbar wundervollen Fußballturnier“, auf dem 15 Bands aus Österreich und der Schweiz zu hören sind. Der Sampler soll laut Pressetext eine Gegenstimme zu „Regierungschefs in Nationaltrikots und unreflektierten Chauvinismus, zu Homophobie und Sexismus, zum Konzept der totalen Überwachung, zu überteuerten Sponsoringzonen und zur Kommerzialisierung der letzten Freiheiten, die diese wunderbarste aller Sportarten bieten“ sein.

Auf CD1, die unter dem Motto „Jubelstimmung“ steht, finden sich mehr oder weniger lustige Fußball-Liedchen, die unter anderem vom „Leibaltauschn“ (Manuel Normal & Netnakisum) und der „Absolute Fanlove“ (Play The Tracks Of) handeln. Etwas gewöhnunsbedürftig sind die Schwyzerdytsch-Beiträge von Kreidemezger und Co – hier wird erst beim vierten Mal Hören klar, wovon der Song eigentlicht handelt, wenn die Herren „Ihr möchtit Heldi si, doch mir sin Heiligi“ trällern. Einen kurzen, aber äußerst eingängigen Song zum Mitgrölen haben die Schweizer Aeronauten („Fußball“) abgeliefert, auch „Aus Liebe zum Spiel“ von Auf Pomali mit Unterstützung von Andreas Ivanschitz hat Unterhaltungwert und Ohrwurm-Potential. Neben Chris & The Other Girls (Sehr schön: „Ode To Now“) und Cafe Amigo hat sich auch Multitalent Clemens Haipl ins Zeug gelegt und mit Willi Kreuz den obligatorischen Cordoba-Track („1978“) beigesteuert.

Die Hip-Hopper von Texta geben auf CD 2 („Katerstimmung“) Nachhilfe in Wienerisch und Schweizerdeutsch, C-60 singen von einem „Picknick auf dem Fußballplatz“ und Shy träumen überzeugend von einem Ort, „wo Fußballstadien keine Sponsorennamen haben“. Von Masochismus und Dosenbier singen Alone auf „Wir geben uns die Kugel“, auch die wahrscheinlich besser bekannten Kreisky („Tormann“) und Florian Horwath („Loss Trainingcamp“) sind auf dem Sampler vertreten. Das Highlight auf dem zweiten Teil von „Lieber ein Verlierer sein“ kommt aber – wie zu erwarten – von Christoph & Lollo. Die Jungs liefern mit „Vermutlich kein Vergnügen“ abermals einen amüsanten Song mit pointiertem Text ab, hier ein kleiner Auszug:

Stell dir vor
Sie würden dir eine Nummer verpassen
Und du müsstest ständig laufen
Und wenn dein Arbeitgeber wollte
Könnte er dich wie ein Stück Vieh weiter verkaufen
Und stell dir vor viele deiner Kunden wären hirnlose Rassisten
Und stell dir vor viele deiner Ansprechpartner wären Sportjournalisten
Machst du als Fußballer etwas falsch, wirst du von deinen Kunden ausgepfiffen
Und machst du einmal alles richtig, wirst du von Kollegen ausgegriffen

Wer den Song auch live hören möchte, hat am Montag, den 31. März dazu die Gelegenheit: Christoph&Lollo treten bei der Release-Party im Wiener B72 (ab 21 Uhr)  auf. Der Eintritt ist frei!

Links: www.lasvegasrecords.at , www.myspace.com/liebereinverlierersein