Den Landesadler trägt Ivica Vastic bereits regelmäßig bei den Spielen des LASK auf der Brust, dem Bundesadler ist der 38jährige heute wieder einen Schritt näher gekommen, zumindest dürfte die Wahl zu Österreichs Fußballer des Jahres durch die Trainer der Bundesligisten sowie der daraus folgende mediale Druck dem in dieser Causa ohnedies seit geraumer Zeit wankenden Teamchef Hickersberger den letzten Ruck zu einer Einberufung in den EM-Kader geben. Österreichs regierenden Fußballer des Jahres nicht einzuberufen – das käme einer Verschwendung von in der Alpenrepublik ohnedies begrenzten fußballerischen Ressourcen ähnlich dem Nichtzurückgreifen auf den teuersten heimischen Spieler samt dessen Premier League Erfahrung gleich, wobei Hickersberger im Falle weiter schlechter Auftritte des Nationalteams in den verbleibenden Vorbereitungsspielen im Frühjahr es sich nicht leisten kann, auf beide zu verzichten, ohne den öffentlichen Druck unnötig zu erhöhen und sich den Vorwurf, nicht die besten Spieler einzuberufen, gefallen lassen zu müssen. Ivica Vastic wird also bei der Heim-Europameisterschaft zum abschließenden Höhepunkt seiner Fußballkarriere im Teamkader stehen, nicht zuletzt weil er im Gegensatz zum zweiten Problemfall Paul Scharner vom menschlichen Standpunkt her ein durchwegs positives und vorbildhaftes Image in der heimischen Fußballwelt besitzt. Und auch, weil er im Gegensatz zu einem Didi Kühbauer beispielsweise niemals offiziell seine Teamkarriere beendet hat.

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Diese spätestens mit der heutigen Wahl gefallene Entscheidung Hickersbergers, egal ob von ihm schlussendlich gewollt oder nicht, kann man positiv sehen: Vastic ist aufgrund seiner in Österreich immer noch einmaligen technischen Fähigkeiten, seiner Übersicht und seines Torriechers unumstritten jederzeit für ein Tor gut, auch auf internationaler Ebene, und gibt somit einen idealen, erfahrenen Joker ab. Eine Jokerrolle, die aufgrund des begrenzten Kaders nur einmal besetzt werden kann, die sich unter ähnlichen Gesichtspunkten aber gleichsam auch ein Mario Haas verdient hätte. Nichtsdestotrotz überwiegt die Kritik: Vastic nimmt einem potenziellen jüngeren Spieler einen Platz weg und bringt diesen somit um die Erfahrung eines Großereignisses. Es fehlt die Spritzigkeit, die der moderne Fußball auf internationalem Niveau verlangt. Außerdem sind wir im Sturm mit Linz, Kuljic und Harnik ausreichend besetzt, dahinter rücken ein Idrizaj, Janko, Hoffer, Okotie usw. nach. Und zu guter Letzt darf die Wahl der Bundesliga-Trainer als mittelgroße Farce bezeichnet werden, betrachtet man die Detailergebnisse, welche die Leistungen der erfolgreichen Legionäre größtenteils ausklammern, hauptsächlich eine Mischung aus vermeintlichen Altstars sowie gehypten Weltklassenachwuchsinnenverteidigern darstellen und eine klare Bevorzugung von Spielern des eigenen Vereins aufweisen. Wer im abgelaufenen Jahr übrigens besser und erfolgreicher war: Garics, Ivanschitz, Linz, Macho, Pogatetz, Scharner, Schiemer, Prödl, unter anderem. Vastic verdient sich in diesem Alter aufgrund konstant guter Leistungen eine Auszeichnung für sein Lebenswerk, vielleicht mit einem zugedrückten Auge die Wahl zum besten Fußballer der Bundesliga, aber objektiv betrachtet sicher nicht die Wahl zu Österreichs Fußballer des Jahres 2007.

Fazit: Ivica Vastic hat mit der abzusehenden Einberufung in den EM-Kader bereits gewonnen: in späten Fußballerjahren erfüllt er sich eines der größten Ziele für jeden heimischen Fußballer und erntet gleichzeitig auf diese Weise die Lorbeeren für seine Verdienste um den heimischen Fußball. Der Verlierer heißt wie so oft Josef Hickersberger: Verzichtet er auf Vastic, ist er der Buhmann. Bringt er Vastic, dieser aber keine Leistung, so bleibt die Kritik an dessen Aufstellung ebenfalls an Hickersberger hängen. Einzig Vastic-Tore würden Hickersberger Recht geben, in deren Falle würde Hickersbergers vermeintlich richtige Entscheidung medial unter dem Jubel über Ivica „Ivo, jetzt bist du ein echter Österreicher“ (Copyright Kronen Zeitung nach dem Tor von Vastic bei der WM 1998) Vastic untergehen…

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