Wien, 29. Juni 2008 (übrigens genau heute in vier Monaten), EM-Finale: Deutschland gegen Italien, 0:0 nach der regulären Spielzeit, 117. Minute der Verlängerung, Klose fällt im Strafraum, Elfmeter. Der Ball wird mittels Schiedsrichterpfiff freigegeben während Buffon mit dem Rücken zum Schützen steht, wenige Sekunden später netzt Ballack ein, Deutschland bringt die Führung über die Runden, feiert sich selbst und Wien versinkt im schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer.

Nyon, 4. Juli 2008, UEFA-Hauptquartier: Italiens Protest gegen den irregulär durchgeführten Elfmeter ist erfolgreich, Regel 14 der FIFA-Bestimmungen wurde verletzt, das Finale muss wiederholt werden. Die Spieler werden aus ihren Urlauben einberufen, Deutsche und Italiener sorgen für eine zusätzliche Belebung der heimischen Tourismus- und Gastwirtschaft, Österreich versinkt ein zweites Mal im EM-Fieber und die Squadra Azzurra stellt Ende Juli im Wiederholungsspiel mit einem klaren 4:0-Erfolg die eigentlichen Kräfteverhältnisse wieder her. Wien versinkt im grün-weiß-roten Fahnen- und blauen Dressenmeer.

Eine Farce, ein Witz, ein schlechter Traum? Keineswegs, seit heute durchaus Realität: wenngleich nur auf der Kleinkunstbühne einer biederen Fußballoperette namens Österreichische Bundesliga, so könnte eine solche Entscheidung einer Spielwiederholung aufgrund eines internationale Regeln verletzenden Formalfehlers auch bei einem Großereignis blühen. Die heimische Wirtschaft würde es möglicherweise sogar freuen, aus sportlicher Sicht ist dies jedoch einfach nur Schwachsinn. Der Fußball lebt von (falschen) Tatsachenentscheidungen, dazu gehören unrechtmäßig gegebene Elfmeter ebenso wie unrechtmäßige Regelauslegungen…

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