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Christoph und Lollo sind in der deutschsprachigen Indie-Szene vor allem für ihre “Skispringerlieder” bekannt, insbesondere ihr Huldigungslied auf Kazuyoshi Funaki genießt quasi Weltruhm. Dass sie sich auch im Fußball auskennen, beweisen die Musiker im E-Mail-Interview mit kick08.

kick08: Christoph und Lollo, in eurem Beitrag zum alternativen EM-Sampler “Lieber ein Verlierer sein” singt ihr “Es ist vermutlich kein Vergnügen ein Fußballer zu sein”. Wie kommt ihr zu dieser Erkenntnis?

Christoph: Etliche Gründe dafür werden eh schon im Lied geliefert. Es ist wahrscheinlich schwierig, stets unter so großem Druck zu stehen, bei etwas, das man anfangs doch nur zum Spaß gemacht hat. Verwunderlich eigentlich, dass es nicht eine Flut von Kickern gibt, die sich mit Drogen voll pumpen und früh sterben, wie es sie bei vergleichbaren Berufen, wie zum Beispiel dem des Rockstars, gibt.
Lollo: Und so ein Fußballer ist ja nicht nur Star, sondern auch der Trottel vom Dienst und Zielscheibe ständiger Gehässigkeit, da sind wir persönlich schon lieber Rockstars.

kick08: Waren eure persönlichen, aktiven wie passiven Fußballerfahrungen - falls es diese gab - ebenfalls kein Vergnügen?

Christoph: Ich gehe schon gelegentlich ins Fußballstadion, doch wenn neben einem zwei zwölfjährige Buben angesichts eines gerade schwer gefoulten Spielers des Gegners reflexartig “Stirb, du Sau” rufen, fragt man sich, ob das das richtige Umfeld für einen solch labilen Menschen wie mich ist. Außerdem gibt’s im Stadion keine Wiederholungen.
Lollo: Ich hab mich im Turnunterricht immer für die Alternative zum Fußball gemeldet, da waren dann keine gefährlichen Ehrgeizler dabei. Passiven Sportgenuss lehne ich mit noch größerer Vehemenz ab als den aktiven.

kick08: Wird es zur EM nun weitere Fußballerlieder von euch geben oder war dies ein einmaliger Ausflug in die Welt des runden Leders?

Christoph und Lollo: Frage 1: Nein. Frage 2: Ja.

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kick08: Ihr seid bekannt für eure Skispringerlieder. Worin unterscheiden sich Skispringer und Fußballer im Wesentlichen?

Christoph: Einmal rein äußerlich. So vom Körperbau. Aber zusätzlich auch im Gesicht: Wenn man einen 25 Jahre alten Fußballer mit einem gleichaltrigen Schispringer vergleicht, dann sieht der eine erwachsener aus als wir mit vierzig, der andere wartet noch auf seine Pubertät. Die Frage, warum ein Fußballer mit 18 schon relativ reif ausschaut, hat mich schon öfters grübeln lassen. Kann es sein, dass es an den Unsummen an Geld liegt, die so einer verdient? In einem Alter, wo andere studieren, oder gerade ihre Lehrlingsausbildung beendet haben, also kaum Einkommen haben, leidet so ein Fußballer förmlich unter der Last des Geldes. Diese Verantwortung lässt den Armen viel schneller erwachsen werden, als andere. Er wird von sich und dem Rest wie ein Erwachsener behandelt, weil er so viel verdient. Ein Schispringer verdient, glaube ich, nicht so viel, also geht’s ihm vom Finanziellen ungefähr so wie dem Mittel seiner Altersgenossen. Wegen seines zerbrechlichen Körperbaus, den er ja zur Ausübung seines Berufes braucht, wird er aber behandelt wie ein kleiner Bub bis er dreißig ist.
Lollo: Es sei auch noch die Vermutung geäußert, dass Skispringer einfach die wilderen Hunde sind.

kick08: Gibt es einen Kazuyoshi Funaki des Fußballs? Oder ein Cordoba des Skispringens? Oder zumindest irgendwelche Parallelen?

Christoph: Da fällt mir ein Lied dazu ein: “Hey, hey Prohaska, wie machst du das denn bloß? Hey, hey Prohaska, du bist einfach groß!” Vor kurzem ist mir ein Unterschied aufgefallen. In einer Schisprung-Arena werden die Fans der einzelnen Nationen nicht durch Pufferzonen, Exekutivbeamte oder Stacheldraht voneinander separiert.

kick08: Im Video zu eurem Lied “Sponsoren” übt ihr süffisante Kritik an wandelnden menschlichen Werbeflächen, Product Placement und anderen Werbeformen. Wie sehr ihr die Entwicklung der fortschreitenden Kommerzialisierung im Fußball, insbesondere im Hinblick auf die EM?

Christoph: Das ist doch nur solchen Träumern wie Euch ein Dorn im Auge. Wird ein Verein umbenannt, wechselt er seine Farben, verkauft er seine Urgesteine, muss ein richtiger Fan doch nur ein paar Mal rülpsen um dann mit der selben Leidenschaft weiterzujubeln. Der hat ja überhaupt keine andere Wahl, er (das “oder sie” kann man sich da sparen) wird doch fast als Fan eines bestimmten Clubs geboren, und auch wenn ihm da gelegentlich etwas nicht passt, kann er nicht seine Identität wechseln.
Lollo: Dass Typen wie Stronach und Mateschitz den Sport zerstören und das Wort “Vereinskultur” in ein paar Jahren nur noch für Gelächter sorgen wird, kann uns auch nicht so schocken, wir sind ja schließlich Indie-Underground-Rocker, und was bedeutet das heute? Gar nichts, genau. Adi und Edi machen uns jedenfalls trotzdem aggressiv.

kick08: Unser Teammitglied Michael Moser möchte von euch wissen, wann der Vatikan Fußballweltmeister wird. Wollt ihr diese Frage beantworten oder uns noch irgendetwas anderes - mit oder ohne Fußballbezug - mitteilen?

Lollo: Wir haben uns schon öfter gefragt, was für eine Rolle die Schweizer Garde bei Nationalspielen des Vatikans spielt. Aber, um Herrn Mosers Frage zu beantworten: Vermutlich dann wenn die Hölle einfriert oder wenn Rupert Murdoch ins Soccerbusiness einsteigt und den Vatikan übernimmt. Eventuell fallen diese zwei Ereignisse auch zusammen.

kick08: Unsere obligate abschließende Frage: Wer wird Europameister und wie schneidet das österreichische Nationalteam bei der Heim-EM ab?

Christoph: Leider Italien. Österreich erreicht zwei Unentschieden.

kick08: Vielen Dank für das Interview!

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Foto Copyright: Ingo Pertramer / Lux Analog