Die Agentur- und Pressemeldungen zur EURO 2008 als wahrer Jobmotor häuften sich in den letzten Tagen und finden sich mittlerweile auch in den allseits geliebten ZIB-Flashes (ORF). Die Rede ist von bis zu 11.000 zusätzlichen Jobs, die in Österreich, als Randererscheinung der Europameisterschaft, entstehen werden. 6.000 davon sollten sogar den Charakter einer dauerhaften Anstellung in sich tragen.

Dies findet auch beim Arbeitsmarktservice seinen Niederschlag, welches eine Art „EM-Job-Room“ auf seinen Seiten eingerichtet hat. Dort sollten jene Arbeitsmöglichkeiten zu finden sein, die durch das Wunder der Fußballeuropameisterschaft über das Land herein brechen würden. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, mal nachzusehen, um welche Jobs es sich dabei wohl handeln würde. Und was läge als Salzburger näher, als die Abfrage nach EM-Arbeitsmöglichkeiten ebendort zu betätigen? Vor meinem geistigen Auge sah ich bereits eine lange Liste mit exotisch anmutenden Berufsbezeichnungen …

… aber das Ergebnis war ernüchternd. Gezählte 161 Einzeljobs in vier Kategorien fanden sich auf meine Abfrage, welches als einziges Kriterium den Arbeitsraum „Salzburg“ beinhaltet. Und es waren dazu noch die üblichen Verdächtigen. Gastrojobs, Kraftfahrerjobs und eine Sammelausschreibung für „QualifizierteR Sicherheits-OrdnerIn“. Nichts mit langen Listen und exotischen Bezeichnungen. Ich war enttäuscht. Wo sind die ganzen 11.000 Jobs nur abgeblieben? Und auch wenn ein Großteil davon nicht auf den Seiten des AMS ausgeschrieben werden würde … es müssten doch mehr als diese popeligen 161 Jobangebote, die übrigens sehr überschlagsmäßig anmuten, zu finden sein? Wir reden hier immerhin von einer EM-Host-City und nicht von meiner kleinen Tennengauer Heimatgemeinde!

Es gibt nur drei logische Antworten auf meine Frage nach dem Verbleib der Jobs. Die erste besagt, dass Salzburg einfach schon alle Jobs besetzt hat und nur in den restlichen Host-Cities noch offene Stellen übrig sind. Dies könnte man, würde man nicht gerne im Ungewissen bleiben, auch leicht durch geänderte Abfragen eruieren können. Die zweite, nicht ganz ernst gemeinte Antwort besagt, dass irgendjemand bereits jetzt all die Jobs mit exotischen Namen an sich gerissen hat. Um sie, ähnlich von EM-Tickets, teuer auf E-Bay zu verscherbeln. Welch eine Verschwörungstheorie! Die dritte, und wahrscheinlich stimmigste Antwort, ist jedoch einfach: Bei den 11.000er-Jubelmeldungen wird einfach von einem groben Schätzwert ausgegangen, der der Realität nicht standhalten wird. Dieses Spiel findet sich ja auch immer wieder, wenn von den astronomischen Werbewerten von Großveranstaltungen die Rede ist, die einer korrekten wissenschaftlichen Prüfung wohl kaum standhalten würden.

Als letztes Mirakel bleiben nur noch die 6.000 dauerhaften Jobs. Werden die „QualifizierteR Sicherheits-OrdnerInnen“, die den Großteil der Angebote ausmachen, etwa auch nach der EURO die früheren Fanmeilen durchkämmen? Werden die fleißigen Koch/KellnerInnen, als zweitgrößte Gruppe, auch nach der EM die einstigen Fanzonen mit Bier und Gaumenfreuden erfreuen? Auf jeden Fall können sich Österreichs StudentInnen auf zahlreiche (???) Mc-Jobs freuen!

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