Obwohl wir erst Ende Jänner und somit eine in unseren Gefilden normalerweise ruhigere Fußballzeit schreiben, beherrschten heute drei wichtige Meldungen die heimischen Sportgazzetten. Hauptgrund dafür ist das bevorstehende Testspiel gegen EM-Gegner Deutschland, genauer gesagt die dazugehörige Kaderbekanntgabe oder, um das Kind beim Namen zu nennen, die heutigen Entscheidungen von Teamchef Hickersberger in Richtung seiner Legionäre. Und jene von Sebastian Prödl, doch am besten der Reihe nach…

Doch kein Stimmenimitator. Paul Scharner bekommt ein Gespräch. Nicht unbedingt eine Chance, aber ein Gespräch, mit dem Teamchef wohlgemerkt. Das ganze am besten persönlich, damit sich Hickersberger vor Ort von den Qualitäten Scharners und des englischen Ligafußballs überzeugen und in der Gewissheit, keinem Stimmenimitator auf den Leim gegangen zu sein, wiegen kann. Ebensolchen vermutete der Teamchef nämlich hinter den Anrufen Scharners auf dessen Mobilbox – eine gute Taktik, die im Gegenzug offensichtlich auch die telefonisch nicht erreichbaren Linz und Pogatetz bei Hickersberger angewandt haben. No risk, no fun: Scharner muss ins Team.

Das Dreifachcomeback. „Aller guten Dinge sind drei“, dachte sich wohl auch der Teamchef und lud die Legionäre Linz, Prager und Pogatetz zum Dreifachcomeback. Dass Linz nominiert wird, war spätestens nach seinen UEFA-Cup-Toren klar. Dort netzte der Portugal-Legionäre gegen den FC Bayern München und dessen Schlussmann Oliver Kahn, in knapp zwei Wochen darf er dessem ewigen Konkurrenten und Nachfolger im Nationalteam Jens Lehmann reinen (burgenländischen) Wein einschenken, am besten in Form von Toren. Dass Pogatetz nominiert wird, war ebenfalls abzusehen, nachdem dieser bei Middlesborough unlängst zum Kapitän aufstieg. Die Nominierung Pragers verwundert hingegen, schließlich hielt sich dessen Leistung im Gegensatz zu den vorhergenannten Leistungen weiterhin in Grenzen. Besser als die auf Abruf befindliche Alternative Michael Mörz ist die Entscheidung dennoch und kann ebenso wie der gesamte Kader, in dem die Legionäre eine knappe Mehrheit über die Daheimgebliebenen, Versumpften, Ewigtalentierten bilden, als klaren Appell an die Reisefreudigkeit Österreichs rarer Talenten gesehen werden. Jetzt noch Top-Legionär Scharner statt Aufhauser, Bald-Legionär Schiemer statt Fuchs und Ex-Legionär Vastic statt Mörz und die EM kann kommen.

Die geschlossene Transferakte. Abschließend wurde Österreichs heißeste Transferaktie heute geschlossen, indem Werder Bremen die Verpflichtung von Sebastian Prödl ab Sommer fixierte und sich so einen eventuellen EM-Aufschlag auf den jungen Grazer ersparte. Für Prödl eine gute und sichere Wahl, die ihm dank des verbleibenden Frühjahrs bei Sturm einen Fixplatz im EM-Kader und danach einen Platz bei einem europäischen Topverein mit Champions League Ambitionen, hochkarätigen Spielern, guter Ösi-Vergangenheit und insbesondere einem ausgezeichneten Trainer verschafft. Manninger, Macho, Garics, Stranzl, Prödl, Schiemer, Pogatetz, Ibertsberger, Scharner – wer hätte vor wenigen Jahren noch gedacht, dass die Nationalmannschaft heute zumindest defensiv mit neun starken (aktuellen und zukünftigen) Legionären top besetzt sein wird?