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Das Finalspiel im Wiener Ernst Happel Stadion war bereits in der 33. Minute entschieden: Fernando Torres erzielte das 1:0 für Spanien und holte nach 44 Jahren Pause den Europameistertitel nach Hause. Spanien hatte im Vorfeld jedes Spiel mit überzeugender Leistung (mit Ausnahme des Viertelfinalspiels gegen Italien) für sich entschieden und erweist sich somit als würdiger Europameister, mit dem sich der Großteil der Fans und Funktionäre zufrieden geben. Die Mannschaft zeichnete sich während des gesamten Tuniers durch schön anzusehenden Offensiv-Fußball und ein starkes Mannschaftskollektiv ohne herausragende Einzelspieler aus - abgesehen vielleicht vom Torhüter des Turniers: Kapitän Iker Casillas. Der wegen einer Verletzung ausgefallene David Villa stellt mit vier Treffern den Torschützenkönig dieser EM, Spanien erzielte zudem insgesamt die meisten Tore des Tuniers (12).

Das letzte Spiel der Heim-EM selbst war so interessant, wie es von einem Finale zu erwarten ist - spannend, doch ohne große Überraschungen. Zwischendurch hatte man gar das Gefühl, einige Spieler würden häufiger auf dem Boden liegen, als mit dem Ball in Kontakt kommen.
In den ersten Minuten zeigten sich die Spanier deutlich verunsichert und ließen den Deutschen viel Raum, doch nach etwa 15 Minuten drehte sich der Spieß um: Spanien bestimmte das Spiel, ließ die Deutschen ideenlos wirken und strapazierte mit einigen vergebenen Chancen die Nerven der Fans. In der 23. Minute setzte die spanische Fankurve etwa schon zum Jubel an, als ein Kopfball von Torres am Pfosten endete. Nach dem entscheidenden Führungs-Treffer von Torres mit Vorarbeit von Senna in der 33. Minute schienen die Iberer dann offensichtlich erleichtert.
Der angeschlagene Kapitän Michael Ballack zog sich erneut eine Verletzung zu, nach einem Zusammenprall mit Senna wollte seine Wunde über dem rechten Auge nicht aufhören zu bluten - ein (schmerzliches) Andenken ans Finale ist ihm gewiß. Beschäftigt war an diesem Abend auch Schiedsrichter Roberto Rosetti: die beiden Mannschaftskapitäne sahen in der 43. Minute gelb, nachdem Casillas einen Streit zwischen Michael Ballack und Puyoll zu schlichten versucht hatte. Ein Kopfstoß-Gefecht zwischen David Silva und Podolski mahnte Rosetti jedoch nicht ab.

Nach der Pause ersetzte Marcell Jansen den verletzten Phillip Lahm (Risswunde am linken Fuß) und brachte etwas frischen Wind ins Spiel der deutschen - für den Ausgleich reichte es jedoch nicht. Die Chancenauswertung der Spanier ließ in der zweiten Hälfte zu wünschen übrig, Xavi (53.), Silva (54.), Torres (55.), Ramos (67.) und Iniesta (68.) hätten für ein eindeutiges Ergebnis sorgen können, der Titel war angesichts ihrer spielerischen Überlegenheit jedoch schon zum Greifen nahe. Nicht beklagen konnten sich die Deutschen jedoch diesmal über Torhüter Jens Lehmann. Dieser leistete sich keinen Patzer und verhinderte mit einer schnellen Reaktion ein mögliches Eigentor. Die beiden Tor-Garanten der DFB-Elf, Podolski und Schweinsteiger, setzten zwar offensive Akzente, blieben angesichts der spanischen Übermacht jedoch chancenlos.

Trotz der langen Gesichter in den deutschen Reihen kann sich unser Nachbar zufrieden zeigen. Deutschland zeigte während dieser Europameisterschaft einige Schwächen - und nicht den schönen Fußball, den sie während ihrer Heim-WM gespielt hatten. Der zweite Platz, den sich die Mannschaft mit Konsequenz, Ausdauer und Kampfgeist erarbeitet hat, ist dennoch verdient - auch wenn sich Holland und Portugal vielleicht ein wenig unglücklich sehr früh verabschieden mussten. Insbesondere Schweinsteiger und Podolski demonstrierten eindrucksvoll ihre Torgefährlichkeit, Michael Ballack - der seinen Final-Fluch nicht begraben konnte - zeigte der Öffentlichkeit erneut, dass es nicht reicht, alle Hoffnungen auf den Kapitän zu setzen.