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“In Österreichs Betten spielt sich während der EM nichts ab - das kann sich aber rasch ändern, wenn Männer die süße EM-Unterwäsche bei Frauen entdecken!”, ist auf der Website des TV-Senders Puls4 zu lesen. Deshalb verkauft New Yorker auch T-Shirts mit der Aufschrift “Halbzeit-Schnittchen” und Palmers druckt “Torhüterin” auf seine Höschen:
Wer Euro sagt, muss auch Sex(ismus) sagen.

Wenn es darum geht, Klischees zu bemühen, ist die Werbeindustrie immer einen Schritt voraus - besonders beim Thema Fußball. In den bunten Spots von Hagebau, 3, Ottakringer und Co lernen wir: Männer schauen Fußball, trinken Bier, grillen Fleisch oder sitzen auf der Couch. Frauen hingegen geistert während eines für sie unerträglichen Fußball-Bewerbs nur ein Gedanke durch den Kopf: Wie kann ich für das männliche (!) Geschlecht genauso attraktiv wie ein Tor von Xavi Hernandez sein? Mit dieser Frage beschäftigt sich unter anderem BIPA im aktuellen TV-Spot, eine weitere Werbe-Aktion hat die Drogeriekette bereits zurückgezogen: das EM-Anti-Missverständnis-Set. Mit dem Karten-Set sollte Männern vom Unternehmen “mit sehr feinfühligem Frauenbild” mehr Sensibilität beigebracht werden. “Sex!” wurde etwa durch “Du hast mich 90 Minuten mit deinem tollen Look abgelenkt. Jetzt würde ich mich freuen, wenn wir das Fußballspiel als Vorspiel sehen würden und direkt zur Sache kommen könnten” ersetzt. Auch die Ottakringer-Brauerei hat bereits vor der EM einen Werbespot zurückgezogen, in dem Männer von einem “Nachspiel” für ihre Frauen, die das falsche Bier gekauft hatten, sprachen. “Der Spotinhalt sollte niemals auch nur annähernd zur Gewaltanwendung anregen”, begründete das Unternehmen.

Abseits der Werbung hat man den weiblichen Fußball-Fan jedoch schon seit längerem entdeckt. Zumindest im Stadion und in den offiziellen Fanzonen müssen Frauen keine Angst haben, beim Eingang sogleich mit einem Glas Prosecco vor eine Leinwand geschoben zu werden, auf der Sex and the City in Endlosschleife gezeigt wird - wie das in einigen ländlichen Regionen und Einkaufsmeilen durchaus der Fall ist. Ganz im Gegenteil - man könnte sogar den Eindruck gewinnen, dass Fanmeilen ausschließlich von Frauen bevölkert werden. Junge, bunt bemalte Fans in knapper Bekleidung, die leidenschaftlich ihre Nationalmannschaft anfeuern, sind auf jedem Titelblatt, in jeder TV-Analyse zu sehen. Die Männerrunde im ORF-Studio gibt regelmäßig Hinweise darauf, wo denn heute die Schwedinnen feiern, die Tageszeitungen stehen im ständigen Wettbewerb auf der Suche nach dem schönsten EM-Dekolleté. “Weibliche Fans sorgen für Aufsehen: So schön war der EM-Auftakt”, schreibt und bebildert etwa die Rheinische Post. Die Verknüpfung von Nationalität und dem weiblichen Geschlecht ist dabei keine Erfindung des Fußballs. Nationalistische Diskurse wurden immer wieder über den weiblichen Körper ausgetragen, so wird etwa aktuell in westlichen Gesellschaften die Vielschichtigkeit des Migrations-Diskurses in Form der Kopftuch tragenden Frau manifest gemacht.

Fußball, das ist “männliches Heldentum und weibliches Accessoiretum”, schreibt Johann Skocek im Standard. Eine besondere Gruppe des Accessoirtum hat bereits eine eigene Gattungsbezeichnung erhalten: die Spielerfrauen. Ein Beruf, der (in seiner medialen Dimension) höchstwahrscheinlich von Victoria Beckham erfunden wurde. Insbesondere die Bildzeitung hält ihre LeserInnen ständig auf dem laufenden, wie die “schöne Sylvie” im Stadion feiert, was “sexy Nereida” drunter trägt, wie die “leidenschaftliche Claudia” ihrem Phillip den Rücken stärkt und wie es die “wunderschöne Maria Beatriz” verkraftet, dass ihr Liebster sich mit “Transvestiten” vergnügt. Wie Klaus Stimeder in seinem Videotagebuch erzählt, veröffentlichte die italienische Tageszeitung La Repubblica  kürzlich eine Umfrage, die den größten Lebenstraum von weiblichen Teenagern im Land ermittelte: einen Fußballer heiraten und mit ihm Kinder zeugen. Vermutlich einer der schnellsten Wege ins Rampenlicht und an die Quelle des Reichtums - Ronaldinho verdiente im Jahr 2006 etwa 23,5 Millionen Euro. Bayern-München-Stürmerin Nina Aigner steht hingegen für ein medial weniger attraktives Lebensmodell: Sie arbeitet  nebenbei in der Marketingabteilung von Puma, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. “Man blickt mit Wehmut zu den Männern rüber, wenn man sieht wie es verhältnismäßig mit dem Geld aussieht”, sagte sie in einem Interview gegenüber diestandard.at.

Foto: CC SpreePix Berlin