September 30th, 2006

die spitzenkandidaten im interview…

einen tag vor den nationalratswahlen veröffentlicht österreichs größtes online-medium orf.at interviews mit den sieben spitzenkandidaten, in welchen allen politikern 13 gleiche fragen gestellt wurden. vote06 hat die teilweise etwas ungewöhnlichen, aber jedenfalls thematisch sehr breit angelegten interviews, in welchen beispielsweise natascha kampusch als aufhänger für die bildungspolitik dient oder von der globalisierung bis zu den kärntner ortstafeln sehr unterschiedliche bereiche angesprochen werden, analysiert und bringt pro spitzenkandidat jeweils eine frage samt interessanter antwort bzw. auszug daraus. warum natascha kampusch laut wolfgang schüssel ein argument gegen einen bildungsnotstand ist oder wie hans-peter martin die österreichische gesellschaft anhand von radiosendern charakterisiert, erfahren sie hier auf kompakte weise. (LAN)

Wie literal ist Österreich? Warum finden wir Natascha Kampusch derart eloquent? Kann es sein, dass wir in einem Land leben, in dem sich nur noch der geringste Teil der Menschen schriftlich korrekt ausdrücken kann? Und wenn ja, was könnte man dagegen tun?
Schüssel: Wenn jemand schön spricht und mit einem reichen Wortschatz, dann widerlegt das eigentlich durchaus die These, dass in Österreich Bildungsnotstand herrscht.

Wie vermittelt man Menschen außerhalb Kärntens die “Ortstafelfrage”?
Gusenbauer: Ich bin dafür der Falsche. (…) Haider ist als Politiker mit den Taferln im Fernsehen groß geworden, und sein Ende als Politiker muss er offensichtlich mit Ortstafeln begehen.

Was meinen Sie, wenn Natascha Kampusch sagt, ein Traum von ihr sei eine Reise nach Berlin: Was könnte sie gerade an dieser Stadt so besonders finden?
Strache: Ich glaube, dass sie sich gedacht hat, sie ist eh hier zu Hause und hat für Wien noch lange genug Zeit. Vielleicht hat das auch mit der Fußball-Weltmeisterschaft zu tun, die sie in ihrer Gefangenschaft vielleicht mitbekam und ihr Interesse für Berlin weckte.

Gehören die “christlichen Wurzeln” Europas in die Verfassung? Was könnte dieser Bezug auch strategisch bedeuten: bei der Integration, bei der Erweiterung der EU?
Van der Bellen: Nein. Was die Integration betrifft, würde ich das nachgerade für schädlich halten. Wie wirkt das auf jemanden, der nach Europa zuzieht, aber nicht christlichen Glaubens ist?

Formulieren Sie frei nach Heine: Denk’ ich an Österreich in der Nacht, bin ich …
Westenthaler: … aufgewacht.

Wie literal ist Österreich? Warum finden wir Natascha Kampusch derart eloquent? Kann es sein, dass wir in einem Land leben, in dem sich nur noch der geringste Teil der Menschen schriftlich korrekt ausdrücken kann? Und wenn ja, was könnte man dagegen tun?
Martin: Ganz wichtige Frage. (…) Ich denke, in Österreich gibt es drei Kulturen: die Ö1-Kultur, die Österreich-Regional-Kultur und die Ö3-Kultur. Wenn es wirklich ein Anliegen wäre, Österreich an ein durchschnittliches Wissens- und Ausdrucksniveau eines hoch entwickelten Landes heranzuführen, müsste man Ö3 abschaffen, Österreich Regional im Niveau deutlich anheben und Ö1 auf dem Markt so durchsetzen, dass es das allgemein anerkannte Leitmedium werden kann.

Was meinen Sie, wenn Natascha Kampusch sagt, ein Traum von ihr sei eine Reise nach Berlin: Was könnte sie gerade an dieser Stadt so besonders finden?
Messner: Ich glaube, dass die österreichische politische Kultur unglaublich fantasielos ist. Kein Wunder, denn man kann das als Tradition der Sozialpartnerschaft, die in sämtliche Bereiche der Gesellschaft – bis ins Denken hinein – diffundiert, beschreiben.

webtipp: die orf.at-interviews
http://orf.at/interview

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