Im Oktober rief Umweltminister Josef Pröll die Initiative „Umwelt am Ball“ mit dem Ziel einer in den Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Soziales/Kultur nachhaltigen Gestaltung der EURO 2008 ins Leben. Die Europameisterschaft solle die erste Sportgroßveranstaltung mit einem Umweltkonzept mit quantifizierbaren Zielgrößen sein. Dafür wurde gemeinsam mit der Schweiz und der UEFA eine Nachhaltigkeitscharta erarbeitet, die zwölf Maßnahmen von umweltfreundlichen Stadien und einer Forcierung des öffentlichen Verkehrs über Impulse für Wirtschaft, Arbeitsplätze und Tourismus bis hin zu Aktionen in der Fanarbeit, Kulturförderung und Suchtpräventation enthalten. Was sich am Papier sehr gut anhört, wirft gleichsam auch Fragen auf: Wo bleiben Solaranlagen auf einem dafür prädestinierten Stadion wie in Wals-Siezenheim, was versteht sich unter der mehr als schwammigen Formulierung eines „möglichst hohen Nutzens für die Wirtschaft der beiden Länder“, wie will man wie angekündigt regionale, Bio- und Fairtrade-Produkte angesichts des Markendiktats der UEFA tatsächlich forcieren, warum werden wichtige Integrations- oder Genderthemen hier ausgeklammert oder wie will man diesen Botschaften die notwendige mediale Breitenwirkung verpassen?

Übrigens wurde auch ein eigener Klimaschutzfonds zur Kompensation der erwarteten zusätzlichen 160.000 Tonnen CO2-Emissionen durch Sponsoren ins Leben gerufen, laut den Meldungen auf der Website konnten mit Coca Cola und BP Austria bislang aber erst zwei namhafte Partner gewonnen werden. Ansonsten bietet die Homepage wenig Informationen, im Wesentlichen beschränkt man sich auf die Vergabe grüner Bälle an vermeintliche Vorzeigeprojekte, das Bewerben eines eigenen Klingeltons und die Präsentation von Studienergebnissen zu den in einigen Veranstaltungs- und Public-Viewing-Orten verwendeten Mehrwegbechern. Ebensolche Mehrwegbecher (300.000 in den Fanzonen, 120.000 im Happel-Stadion) werden beispielsweise in Wien eingesetzt, wo laut Umweltstadträtin Sima Abfallvermeidung, Klimaschutz und eine Forcierung des öffentlichen Verkehrs im Mittelpunkt stehen. Für die Grünen greift dieses Umweltkonzept jedoch zu kurz, sie befürchten aufgrund von Erfahrungswerten der WM 2006 vor allem Verschmutzungen und nachhaltige Schäden der Parkanlagen im Bereich der Fanzone.

Das Thema der Nachhaltigkeit wird uns also – obwohl es in den Medien nur verhältnismäßig geringe Präsenz findet – aufgrund der Bedeutung und der unterschiedlichen Facetten weiter begleiten. Schon in den nächsten Tagen gibt es hier auf kick08.net weitere Artikel dazu…

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Foto: LAN/kick08.net