Frauenhandel

Schon bei der WM 2006 in Deutschland ist auf den Zusammenhang von Fußball, Frauenhandel und Prostitution hingewiesen worden. Am Samstag, dem 100. Weltfrauentag, hat nun auch eine Intiative verschiedener Schweizer Organisationen die Kampagne „Euro 08 gegen Frauenhandel“ gestartet. Mit Strassenaktionen in Basel, Bern, Zürich und Genf wollten die Teilnehmer/innen – mit grauen Masken und angekettet – auf die Situation der Opfer aufmerksam machen – eine Petition fordert vor allem das Recht auf einen sicheren Aufenthalt für Opfer in der Schweiz. Auch die Konvention des Europarates zur Bekämpfung von Menschenhandel soll rasch unterzeichnet werden, zudem wünscht sich die Initiative eine spezielle Schulung von Polizei, Migrations- und Justizbehörden zum Thema Frauenhandel. In Österreich hat die niederösterreichische Landesrätin Mikl-Leitner bereits im November mögliche Zwangsprostituion bei der EM 2008 thematisiert. Für die Dauer der Europameisterschaft wurden angeblich 20 bis 50 Prozent mehr Prostituierte engagiert – insbesondere Bundesländer, die an osteuropäische Staaten grenzen, werden sich mit diesem Thema auseinander setzen müssen.

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation ILO werden rund zweieinhalb Millionen Menschen jedes Jahr Opfer von Menschenhändlern, achtzig Prozent davon sind Frauen und Mädchen. Die moderne Form der Sklaverei ist ein profitables Geschäft – der Gewinn wird auf rund 35 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Damit zählt Menschenhandel neben Drogen- und Waffenhandel zu den lukrativsten kriminellen Geschäften weltweit. In Österreich untersuchte die Polizei 2006 93 Fälle von Menschenhandel. Der Lagebericht zu Menschenhandel in Deutschland nennt rückblickend 33 Ermittlungsfälle für den Zeitraum der Weltmeisterschaft 2006, fünf dieser Fälle standen in direktem Zusammenhang mit den Spielen.

Die österreichische Migrantinnen-Organisation LEFÖ wehrt sich gegen eine Vermischung der Themen Prostitution und Kriminalität. „In der historischen Konstruktion und in der sozialpolitischen und gesellschaftlichen Wahrnehmung war und ist Prostitution verbunden mit einem Konzept von Opfern und Gewalt. Diese problematische Identifizierung verschiedener Themen miteinander weicht einer differenzierten gesamtgesellschaftlichen und politischen Wahrnehmung von Prostitution aus“, ist in ihrem Programm zu lesen. Im Rahmen der Kampagne „SexarbeiterInnen haben Lust auf ihre Rechte“, die ebenfalls am 8. März gestartet ist, fordert LEFÖ mehr Rechte für ArbeiterInnen in der Sexindustrie. Einen direkten Zusammenhang zwischen der Fußball-EM und Frauenhandel sieht die Organisation nicht, die Großveranstaltung wird aber doch Einfluss auf österreichische Sexarbeiterinnen haben – darauf legt die Kampagne jedoch nicht ihren Schwerpunkt.

Links:

www.lustaufrechte.at  www.frauenhandeleuro08.ch

Foto Copyright: Michael Wuertenberg