Die Auslosung zur EURO ist vorbei und damit beginnt die eigentlich „Arbeit“ des Fußballfans. Spekulieren, Chancen ausrechnen, Tipps und Prognosen erstellen – der Stoff, aus dem die Fan-Träume gewoben werden. Besonders das Duell gegen unsere Nachbarn aus Deutschland ist geradezu prädestiniert, um uns schon Monate vor der EM Spannung und Abenteuer zu liefern.

Man wird nicht um das WM-Spiel 1978 gegen Deutschland im argentinischen Cordoba herum kommen. Seit Jahrzehnten wird dieses Spiel zum nationalen Heiligtum erklärt. Die Weitergabe der damaligen Geschehnisse erfolgt in Wort und Bild, aber auch in Geschichten. Ähnlich wie bei der Ermordung Kennedy´s wird gefragt: „Wo warst du damals, bei Cordoba?“ Bei der EM, 30 Jahre später, soll ein Dacapo folgen. Ein Sieg gegen die Deutschen, und der vielgeprügelte Josef Hickersberger wird zum Liebling aller Schwiegermütter. Die Euphorie könnte, so meine Einschätzung, nur durch den Gewinn des EURO-Pokals getoppt werden.

Dies haben natürlich auch schon Österreichs Politiker erkannt. Stellvertretend für sie seien zwei Statements heraus gegriffen. Der Hobby-Marathonläufer und Staatssekretär Reinhold Lopatka meint etwa: “ […] was Deutschland betrifft, so sind unsere Nachbarn natürlich Favorit auf den EM-Titel. Aber Cordoba II ist höchst an der Zeit.“ In das selbe Horn stößt Wiens Bürgermeister Michael Häupl: „Deutschland gegen Österreich ist mit Sicherheit eine Top-Partie. Wir werden den Geist von Cordoba beschwören.“ Wir werden „Cordoba“ also nicht entrinnen können. Wem die ewige Zitierung des ´78er Erfolges jetzt schon auf die Nerven geht, der wird eine schwere Zeit vor sich haben. Eine kurzzeitige Auswanderung wäre natürlich eine Lösung … im argentinischen Cordoba sollte es zu dieser Jahreszeit anscheinend sehr schön sein.
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