Während die sportlichen, wirtschaftlichen und anderen positiven Aspekte der Europameisterschaft gerne in den Vordergrund gerückt werden, fristet die Sicherheitsdebatte trotz einer Flut an Pressemitteilungen, der rigorosen Datensammlung unter dem Deckmantel der sogenannten Hooligandatei und der unlängst in einer Nacht- und Nebelaktion unter dem Scheinvorwand der Europameisterschaft beschlossenen Novelle zum Sicherheitspolizeigesetz ein mediales Schattendasein.

SPÖ-Sicherheitssprecher Parnigoni: „Alle friedlichen Fans haben ein Recht darauf, durch die Polizei vor radikalen und gewaltbereiten Hooligans geschützt zu werden. Und nun verhindert die Opposition durch eine unverständliche Blockadepolitik, dass die Polizei die notwendigen Regulative zur Bekämpfung dieser Gewalt im Rahmen von Fußballspielen erhält.“

Es folgt ein Einblick in die jüngste politische Diskussion zum Thema Sicherheit…

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Brennpunkt 1: Polizisten und Ausrüstung

Während ÖVP-Sicherheitssprecher Kössl ebenso wie sein Parteikollege und Innenminister Platter die Polizei „für die sicherheitspolizeilichen Herausforderungen bei der Fußball- EM 2008 gut vorbereitet“ sieht und EM-Koordinator Heinz Palme die Sicherheitsvorkehrungen als „im Plan“ beurteilt, kommt scharfe Kritik insbesondere aus dem Lager der Freiheitlichen: Getreu dem Motto „Ein Pferd ist mehr wert als 50 Polizisten“ eines niederländischen Fanpolizisten fordert der Wiener Gemeinderat Mahdalik gleich 25 Amsterdamer Pferde für die EM auszuleihen. Folgt man der erwähnten Milchmännchenrechnung würde dies mehr als tausend eingesparten Polizisten gleichkommen, im Falle der Verwendung heimischer Lipizzaner statt der niederländischen Zuchtpferde hätte man sogar einen touristischen Mehrwert. Also, warum nicht? Mahdaliks Parteivorsitzender Strache sieht „bei der Euro 2008 (…) aufgrund von Platters Untätigkeit zahllose Sicherheitsrisiken“ und daher während des Großereignisses die Sicherheit in Wien ebenso gefährdet wie SPÖ-Landesvorsitzender Haider in Oberösterreich. Wiederum von der blauen Law-and-Order-Partei stammt der Hinweis des steirischen FPÖ-Nationalratsabgeordneten Zanger auf die Versäumnisse bei der Ausrüstung der Exekutive, konkret fehlen „Helme, Schlagstöcke, Schilde und Ganzkörperschutz“.

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Brennpunkt 2: Hooliganhysterie

Während sich fast ganz Fußballösterreich aus sportlicher Sicht mit der Gruppenauslosung zufrieden zeigte, bietet diese den Sicherheitsfanatikern Raum für ihre Schreckensvisionen. Dramatisch klingen die Gewalt prophezeienden Worte der Aktionsgemeinschaft Unabhängiger und Freiheitlicher, kurz AUF: „Dass bei einer derart aggressiven und gut organisierten Hooligan-Szene – wie sie in Polen, Russland und Kroatien vorherrscht – Zwischenfälle vorprogrammiert sind, ist mittlerweile jedem Polizisten bekannt.“ Ähnliche Befürchtungen teilt SPÖ-Sicherheitssprecher Parnigoni: „Wie viele Medien berichten und auch die Experten im Bereich der Exekutive bestätigen, verfügen sowohl Polen als auch Kroatien über einen gewaltbereiten Kern von mehreren Tausend Hooligans. (…) Hinzu kommt die ebenfalls politisch delikate Begegnung zwischen Deutschland und Polen.“ Nicht minder politisch delikat ist eine Presseaussendung des Wiener FPÖ-Obmanns Schock (Nomen est omen) mit dem Angstmachertitel „FP-Schock zur Fußball-EM: Bei der Exekutive brennt der Hut!“, in welcher angesichts der erwarteten „Hooligans“ und „Problem-Fans“ bereits die „Alarmstufe Rot“ ausgerufen wird.

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Brennpunkt 3: Klagenfurt

Besonders angespannt ist man anscheinend in Klagenfurt, obwohl dort abgesehen von den drei Gruppenspielen nur wenig Gefahrenpotenzial besteht, schließlich residiert kein EM-Teilnehmer trotz dessen touristischem Charme im südlichsten Bundesland. Die Zahl der Fußballfans, die sich in die Kärnter Landeshauptstadt verirren, dürfte somit trotz eines Budgets von 8 Millionen Euro alleine für die EM-Bewerbung Kärntens überschaubar bleiben. Nach dem schalen politischen Beigeschmack der EM-Standortvergabe und der sportlichen Perspektivenlosigkeit dieses Spielorts scheint sich Klagenfurt nun überraschenderweise auch als touristischer Euro-Flop zu entpuppen. Umso weniger verwunderlich, dass die dortige Politik von diesen Themen ablenkt und ihren Fokus auf die Sicherheitsdebatte richtet: nicht nur einen „Euro-Schulterschluss“ zwischen Landeshauptmann Haider und Klagenfurts Bürgermeister Scheucher gab es anlässlich der Schaffung eines Exekutivkomitees von Land und Landeshauptstadt zu bewundern, sondern auch einen „Appell an alle Meinungsbildner, bis zur EURO nur mehr in eine Richtung zu marschieren“. Ob die erhoffte öffentliche EM-Gleichschaltung freilich das Kärntner EM-Desaster abfedern kann, bleibt ebenso wie Erfüllung der propagierten sicherheitsmäßigen Schreckensszenarien abzuwarten…

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